WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die letzte epische Ölkatastrophe - wahrscheinlich - von Hans Weitmayr

Das Fördern von Risiko-Erdöl wird mittelfristig unrentabel

Wien (OTS) - Erdöl. Katastrophe. Dieses Begriffspaar ist dieser Tage schwer zu trennen - verständlich, ob all der Bilder, die derzeit über die Nachrichtenkanäle flimmern. Mit jedem Tag wird die ökologische Lage in den betroffenen Gebieten schlimmer. Das wird auch in näherer Zukunft so bleiben - egal, wie die bis Redaktionsschluss anhaltenden Reparaturarbeiten ausgehen. Womit die schlechte Nachricht abgearbeitet ist. Bleibt also die gute: Mit jedem Tag sinken die Chancen, dass sich ein Erdöl-Katastrophe von ähnlich epischem Ausmaß wiederholt.

Das liegt jetzt nicht so sehr an der Hoffnung, dass Menschen aus ihren Fehlern lernen - es handelt sich viel mehr um eine Frage der Wahrscheinlichkeit.

Was viele Skeptiker nach wie vor nicht wahrhaben wollen: Das Erdölzeitalter nähert sich mit Riesenschritten seinem Ende. Dieses Szenario ist weder sentimental, noch optimistisch - es begründet sich unter anderem darauf, dass ein wichtiger Substitutions-Rohstoff bereits gefördert wird: Schiefergas, das in den USA bereits zehn Prozent der gesamten Gasförderung ausmacht und mittelfristig zur Energieautarkie der Staaten führen soll. Dazu wird bekanntlich die Gewinnung nichtfossiler Energietäger massiv vorangetrieben - man denke nur an die Windparkprojekte in Polen oder die Solar-Ebenen, die Deutschland in den Wüsten Arabiens aufstellt.

Das bedeutet: Öl wird nachfragebedingt billiger. Sinkt der Ölpreis und steigt die Energieunabhängigkeit von Volkswirtschaften ohne Zugang zu diesem Rohstoff, rentieren sich zwei Vorgänge à la longue nicht mehr: Erstens der Import von Erdöl. Zweitens: Die kostspielige Förderung an schwer zugänglichen Stellen - etwa in unmittelbarer Nähe des Mississippi-Deltas.

Das heißt nicht, dass Ölkonzerne in Zukunft nicht kontrollieren werden müssen. Im Gegenteil: Mehr Ernsthaftigkeit und Konsequenz als bislang aufgebracht worden ist, erscheint unumgänglich. Denn zum einen ist auch die Erschließung etwa von Schiefergas ökologisch nicht unproblematisch. Und zum anderen beweisen Unglücke in den Kohlegruben Chinas, dass Katastrophen beim Abbau von auslaufenden Rohstoffen immer wieder geschehen können. Die Frage ist nur: in welchem Ausmaß? Wie weit man eine sinkende Wahrscheinlichkeit gegen null drückt, bleibt also weiterhin in einer Verantwortung - der menschlichen.

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