Städtetag: Experten zur Zukunft von "Stadtregionen"

Wien (OTS) - Der 3. Arbeitskreis am Städtetag in Villach befasste sich mit der Politik sogenannter "Agglomerationen" (lat. agglomerare "fest anschließen", also eine Kernstadt, die ein dicht besiedeltes Umland besitzt, auch als "Stadtregion" bezeichnet wird).

Rund 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung (5,5 Mio Einwohner) wohnen in den Stadtregionen Österreichs, etwa 54 Prozent allein im verdichteten Agglomerationsraum. 77 Prozent aller Arbeitsplätze befinden sich dort. Der Zuzug in diese Stadtgebiete ist ungebrochen und wird auch in näherer Zukunft anhalten. Heinz Fassmann von der Universität Wien erläuterte das Thema Stadtplanung und Stadtentwicklung: Anders als bis in die 1990er Jahre befasse sich Raumplanung heute weniger mit ländlichen, benachteiligten Gebieten als mit diesen städtischen Ballungsräumen, da dort das größte Entwicklungspotential, aber auch die größeren Probleme herrschten. Städte seien die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Zentren des Landes, sie seien Wirtschaftsmotoren und beherbergen die Medien- und Informationsbranche, Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister - die Standortqualität sei wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Landes. Gleichzeitig sei eine unfaire Verteilung der Finanzmittel für diese Stadtregionen festzustellen: Der Finanzausgleich orientiere sich an einer Pro-Kopf-Verteilung, die längst überholt sei, weil Menschen nicht mehr dort arbeiten, wo sie wohnen und nicht mehr nur die örtliche Infrastruktur nützen. Im sogenannten ÖREK (Raumentwicklungskonzept) werden Maßnahmen vorgestellt, wie die Zusammenarbeit dieser Agglomerationen funktionieren kann und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden: Durch die Verankerung des Begriffs "Stadtregion" in Politik und Verwaltung, durch eine genaue Abgrenzung der Stadtregionen nach internationalem Vorbild (damit wären nur die großen Städte Österreichs eine solche Stadtregion), gezielte Förderung der Regionen, Entwicklung eines aufgabenorientierten, stadtregionalen Finanzausgleichs und die Bildung einer österreichweiten Kooperation zwischen den Stadtregionen.

Fritz Wegelin vom Bundesamt für Raumentwicklung erklärte das Thema Agglomerationspolitik am Beispiel Schweiz, wo das Thema bereits viel länger präsent ist. Durch die zunehmende Mobilität seien in den Städten die Themen Verkehr, Umwelt, Soziales und Finanzen nicht mehr alleine lösbar geworden. Der Bund habe die Probleme erkannt und schrittweise eine Agglomerationspolitik entwickelt - die Kantone seien am Anfang skeptisch gewesen, inzwischen aber überzeugt davon.

Funktionale Metropolregionen seien auch auf europäischer Ebene eine immer wichtigere Planungseinheit, betonte der Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker. Beleuchtet wurde das Thema Agglomerationspolitik weiters anhand von Beispielen aus Deutschland (Stefan Dallinger, Sprecher des Initiativkreises Europäische Metropolregionen in Deutschland) und am Beispiel Salzburger Zentralraum (EuRegio-Masterplan der Metropolregion Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein) durch einen Beitrag von Andreas Schmidbaur, zuständiger Amtsleiter in Salzburg.

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