Latein ist keine Lösung

Wien (OTS) - Der ÖAAB präsentiert sein Bildungskonzept unter dem Motto "Spritz mich an, aber mach mich nicht nass". Die ÖVP möchte ihre bildungspolitische Position weiterentwickeln und ein Stück der Realität anpassen. "Aber ihr fehlt der Mut, ins Wasser zu springen", analysiert Gernot Rammer, Bundesgeschäftsführer der Kinderfreunde.

Außenminister Spindelegger war in Finnland und Schweden um dort das Bildungssystem zu studieren. Rammer: "Schön, wir Kinderfreunde und viele andere waren während der letzten 20 Jahre immer wieder dort, aber wir ziehen gänzlich andere Schlüsse aus diesen Modellen. "Spindelegger hat im Rahmen der Kurzvisite einen Kindergarten besucht und mit PolitikerInnen gesprochen. Entweder hat er sich zu wenig Zeit genommen, um diese Systeme wirklich zu verstehen, oder er musste aufgrund der realen politischen Verhältnisse innerhalb der ÖVP derart große inhaltliche Abstriche machen. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren des skandinavischen Bildungssystems wurden im ÖAAB Papier jedenfalls einfach ignoriert.

Etwa die Organisation der Mittelstufe als gemeinsame Schulstufe, oder der sehr ausgebaute Bereich der Elementarbildung in Bundeskompetenz. Oder die Ausbildungssysteme für PädagogInnen bis hin zum Schulbau und zur Unterrichtsqualität. Es hätte tatsächlich eine Menge an tauglichen "Kopiervorlagen" gegeben. Aber von all dem steht nichts im Bildungspapier des ÖAAB. Es wurden aber dann doch ein paar Brocken aus dem "finnischen Zusammenhang gerissen". Etwa die bessere Selektion der PädagogInnen. Das ist vernünftig, wenn auch nicht neu. Selbiges gilt für Schulsozialarbeit und andere Einzelpunkte. Neben dem Verharren im Irrtum wider besseren Wissens was die gemeinsame Mittelstufe betrifft, ist auch die Tatsache zu beklagen, dass zu wesentlichen Fragen der Bildungsarchitektur überhaupt nicht Stellung genommen wurde. Wie hält es der ÖAAB mit der Dienstrechtsreform? Was bedeutet Ganztagsschule - gibt es da verschränkten Unterricht, oder eine Schülernachmittagsbetreuung? "Es ist zwar Bewegung erkennbar, aber zukunftstauglich sind die Positionen noch nicht" fasst Rammer die Unterlage zusammen.

Die ÖVP sitzt jetzt immerhin am Beckenrand und hält die Füße ins Wasser. Welche Unterstützung braucht diese Partei aber um ins Wasser zu kommen und mitzuschwimmen? "Vielleicht sollten noch viel mehr ÖVP PolitikerInnen ins Ausland fahren und die Praxis in anderen Ländern studieren. Am besten mit einer forschenden Neugier und offen für Lernerfahrungen. Es gibt längst keinen ideologischen Streit mehr im Bildungsbereich. Das Problem ist eher ein Erkenntnisgefälle zwischen den BewahrerInnen und ReformerInnen. Die Zeit für eine große Bildungsreform ist überreif. Latein in der Hauptschule wird das Bildungssystem aber nicht retten, schließt Rammer.

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Gernot Rammer, Tel. 01 / 5121298 - 52

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