WIFO-Experte Marterbauer: Budget konsolidieren, ohne Nachfrage und Beschäftigung zu dämpfen

3. Vollversammlung der XIV. Funktionsperiode

Linz (OTS) - Über die Folgen der Krise sowie die wirtschaftspolitischen Herausforderungen, die in den nächsten Jahren zu bewältigen sind, referierte Mag. Dr. Markus Marterbauer vom WIFO heute bei der Vollversammlung der Arbeiterkammer Oberösterreich. Sein Rezept: innovative Formen der Arbeitszeitverkürzung und nachfrageschonende Budgetkonsolidierung.

Entwarnung gibt der Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts noch nicht. Nach dem dramatischen Einbruch der Wirt-schaftsleistung Mitte 2008 bis Mitte 2009 sei zwar die Stabi-lisierung der Konjunktur gelungen. Die Erholung verlaufe aber matt, die Risken für einen Rückfall in eine neuerliche Rezes-sion seien erheblich, vor allem bei simultaner Budgetkonsoli-dierung in allen EU-Ländern.

Jetzt gelte es, die enorm gestiegene Arbeitslosigkeit und den markanten Anstieg des Budgetdefizits zu bekämpfen. Das Wirt-schaftswachstum bleibt zu niedrig, als dass sich diese Prob-leme von selbst erledigen würden. Wenigstens dürfte nach Mar-terbauers Einschätzung die Inflation nicht zum Problem werden.

Um die Arbeitslosigkeit über einen Zeitraum von fünf Jahren zu halbieren, wäre ein jährliches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent notwendig. Das ist unrealistisch. Deshalb braucht es rasch wirksame beschäftigungspolitische Maßnahmen. Großes Beschäftigungs-Potenzial sieht Marterbauer im Ausbau der sozialen Dienstleistungen. Sinnvoll seien auch innovative Formen der Arbeitszeitverkürzung wie kürzere Vollzeit, längere Freizeitblöcke, mehr Bildungskarenzen und längere Ausbil-dungszeiten. Eine Arbeitszeitverkürzung um zehn Prozent (von 39 auf 35 Stunden) würde binnen fünf Jahren 130.000 zusätzli-che Jobs bringen, die Arbeitslosigkeit würde um 2,7 Prozent-punkte sinken.

Was die Budgetkonsolidierung betrifft, warnt Marterbauer für nächstes Jahr eindringlich vor nachfragedämpfenden Ausgaben-kürzungen. Mittelfristig sieht er Ansatzpunkte auf der Ausga-benseite bei vielen Förderungen, der weiteren Harmonisierung des Pensionssystems oder bei der Umstellung von Geldleistungen auf Sachleistungen im Sozialstaat. Auf der Einnahmenseite nennt der Wirtschaftsexperte Vermögenssteuern, ökologische Abgaben und die Besteuerung von hohen Einkommen.

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