"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "In der FPÖ ist immer alles möglich" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 17. Mai 2010

Wien (OTS) - Tirols FPÖ-Chef Gerald Hauser hat die Turbulenzen in der Partei noch lange nicht überstanden.

Der Ausschluss von fünf Parteifunktionären hat sicher noch keine Klärung in der Tiroler FPÖ gebracht. Die Gräben in der Partei sind tief, hinter den Kulissen tobt weiter ein Machtkampf. Ob Parteichef Gerald Hauser diesen für sich entscheiden kann, hängt wohl davon ab, wie viel Rückhalt er in den eigenen Reihen wirklich hat.
Immer deutlicher zeichnen sich jedoch die Konturen des versuchten Putsches gegen Hauser ab. Es war eine Allianz gegen seine Mitte-rechts-Politik. Vor allem die ehemalige Parteijugend machte dagegen mobil. Mit radikalen Ansichten, einer verschwommenen Nähe zum National-sozialismus und offener Fremdenfeindlichkeit sorgte der Ring Freiheitlicher Jugend nicht nur einmal für Schlagzeilen. Selbst die Südtiroler Freiheitlichen gingen auf Distanz zu den Nordtiroler Gesinnungsfreunden.

Hauser weiß jedoch nur zu gut, dass er sich mit einer radikalisierten FPÖ ins Tiroler Abseits stellt. Nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch in der Bevölkerung. Will Hauser der Tiroler FPÖ eine Perspektive geben, so muss er zumindest die bürgerliche Mitte im Auge behalten. Gleichzeitig gilt es, sich neben Grünen und Dinkhausers Bürgerforum als Oppositionspartei zu behaupten. Mit den parteiinternen Turbulenzen der vergangenen Wochen ist das jedoch schwer.

Am rechten Rand könnte der FPÖ in Zukunft außerdem ein Mitbewerber erwachsen - ähnlich wie in Südtirol. Mit einem chauvinistischen Rechtspopulismus punkten die dortigen Heimatparteien. Gelingt es Gerald Hauser nicht, die Freiheitlichen auf Kurs zu bringen, könnte er selbst massiv unter Druck geraten. Denn wie die FPÖ in der Vergangenheit bewiesen hat, ist bei ihr immer alles möglich. Meist haben die Debatten mit Parteiausschlüssen begonnen.

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