Interview der Bulgarischen amtlichen Nachrichtenagentur BTA mit Mobiltel-Chief Executive Officer Andreas Maierhofer

Überersetzung aus dem Bulgarischen

Sofia (OTS) - BTA - Wie kann Bulgarien derzeit die
Wirtschaftskrise angehen? Wissen Sie um die 60 Antikrisenmaßnahmen der Regierung?

AM - Als Vertreter eines der größten österreichischen Investments in Bulgarien verfolge ich aufmerksam das Vorgehen der Regierung. Es ist definitiv von größter Wichtigkeit, dass die Regierung Antikrisenmassnahmen startet, obwohl es bereits sehr spät dafür ist. Die Regierung muss konkrete Schritte unternehmen und die Lösung der vorhandenen Probleme nicht weiter aufschieben. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, ist vor allem der der lang erhoffte Beginn von diversen Infrastrukturprojekten von Bedeutung. Erwartet werden Aktivitäten für den weiteren Ausbau der Autobahnen, Schiene und des gesamten öffentlichen Verkehrs.

Selbstverständlich sind für uns die geplanten Investitionen in die Telekommunikation von enormer Bedeutung. Es ist allgemein bekannt, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Breitbandangebot in Bulgarien nicht ausreichend entwickelt ist. Aktivitäten zwecks Finanzierungspläne seitens der Regierung wären ein sehr wichtiger und umsichtiger Schritt.

Die derzeitige Debatte über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer halte ich unangebracht und kontrproduktiv. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bedeutet eine weitere Belastung für die Bevölkerung, welche durch die derzeitige wirtschaftliche Situation schon sehr angespannt auf jede weitere Belastung reagiert und die Kaufkraft und der Konsum würde weiter sinken.

BTA - Wie bewerten Sie das Investitionsumfeld für ausländische Investoren in Bulgarien?

AM - Die Bedingungen für ausländische Investoren in Bulgarien sind aufgrund der niedrigen Steuersätze nach wie vor attraktiv. Bezüglich foreign direct investments in Bulgarien sind leider Negativtendenzen festzustellen. Im Jahresvergleich beträgt der Rückgang mehr als 50 Prozent. Im Vergleich zu Februar 2009 verzeichnete man im Febraur 2010 sogar einen Rückgang um 90 Prozent. Meiner Ansicht nach sind enorme Anstrengungen und konkrete Schritte der Regierung erforderlich, um Bulgarien als attraktiven Standort für ausländische Investitionen zu präsentieren. Die Regierung, vor allem aber der Ministerpräsident, müssen alle Kräfte mobilisieren, um ausländische Direktinvestoren zu überzeugen, dass Bulgarien ein enormes Wachstumspotenzial hat, denn gerade diese Direktinvestitionen tragen erheblich zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.

BTA - Welche Investitionspläne hat Mobiltel für das Jahr 2010 und in welchem Maß beeinflusst die Wirtschaftskrise diese Pläne?

AM - Trotz Finanzkrise halten wir an unseren Investitionen fest. Alljährlich investiert M-Tel in Bulgarien rund 100 Millionen Euro. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf den Ausbau von Konvergenzdienstleistungen und auf die Versorgung von ländlichen Gebieten mit Breitband. Ein weiterer Akzent der kommenden Jahre ist die Verbreitung von Smartphones und deren Produktportfolio. All diese Investitionspläne erfordern einen offenen Dialog mit der Regierung über die Entwicklung der Telekommuniaktionsdienstleistungen vor allem im ländlichen Raum.

BTA - Welche Tendenzen erwarten Sie in der Telekommunikationsbranche generell?

AM - Für das Jahr 2010 erwarten wir kein Wachstum. Im Ergebnis der negativen makrowirtschaftlichen Trends, wurde auch in der Telekommunikation 2009 im Vergleich zum Jahr davor eine rückläufige Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen verzeichnet. Besonders im Geschäftskundensegment konnten wir uns diesem negativen Trend nicht entziehen. Dieser Trend setzt sich leider offenbar in diesem Jahr weiter fort, schwächt jedoch allmählich ab. 2011 erwarte ich eine allmgemeine Erholung der Wirtschaft.

BTA - Wie hoch ist die Nachfrage nach mobilen Dienstleistungen unter ihren Abonnenten laut vorläufigen Zahlen für das erste Quartal?

AM - Bei Privatkunden verzeichnen wir krisenbedingt einen Umsatzrückgang um etwa fünf Prozent, bei Firmenkunden um ca. zehn Prozent. Aber vor allem verzeichnen wir Rückgänge aufgrund der regulierten Preise für roaming und der Terminierungsentgelte.

BTA - Inwieweit steigt die Nachfrage nach mobilem Internet? Gibt es neue Dienstleistungen in dieser Sparte? Es ist allgemein bekannt, dass ihr Unternehmen weltweit zu den Anbietern mit dem schnellsten mobilen Internet zählt. Wird das 3G-Netz in Bulgarien weiter ausgebaut?

AM - Wie sie wissen, hat M-Tel 2009 weltweit als 16. und in Bulgarien als erster Telekom-Anbieter die moderne High Speed Packet Access+ Technologie eingeführt, die Übetragungsgeschwindigkeiten bis zu 21 Mbps ermöglicht. Diese Technologie soll steigenden Kundenzahlen, ständig wachsendem Datenverkehr und höherer Qualität Rechnung tragen.

In Bulgarien haben wir enormes Entwicklungspotenzial. Bulgarien verzeichnet die niedrigste Penetration von nur 0,5 Prozent und liegt weit hinter dem EU Vergleich. Wir investieren viel Geld in die 3G-Technologie, auch in ländlichen Regionen, wo es teilweise überhaupt keine Versorgung gibt. Durch die marktbeherrschende Stellung des Festnetz incumbent mit mehr als 90 Prozent Marktanteil und durch den fehlenen Wettbewerb, wurde kaum in den Ausbau von Breitband connectivity investiert. Das ist einzigartig in Europa aber gerade hier sehen wir die Chance mit mobilem Internet zu punkten. Alljährlich verzeichnen wir Zuwachsraten von mehr 100 Prozent. Für uns und für die gesamte Industrie ist es eine Herausforderung, auf der einen Seite dem rasant zunehmenden Datenverkehr mit hohen Investitionen Rechnung zu tragen aber auf der anderen Seiten kämpfen wir mit sinkenden ARPU und sinkende margin. Das ist keine leichte Angelegenheit.

BTA - Aus welchem Grund hat sich M-Tel entschlossen, das von der Bulgarischen amtlichen Nachrichtenagentur BTA organisierte 6. Treffen der Bulgarischen Medien zu unterstützen?

AM - Wir haben uns entschlossen dieses Event zu unterstützen, weil es eine sehr gute Platform ist wo sich Medien, Politik und Wirtschaft treffen um über die zukünftigen Herausforderungn zu diskutieren. Vor allem weil dieses Event heuer in Wien stattfindet und wir sehr daran interesiert sind, das sich die Beziehungen zwischen Österreich und Bulgarien intensivieren.

BTA - Was würden Sie ausländischen Investoren raten, die in Bulgarien Geschäfte machen wollen?

AM - Erstens sollte jeder Investor den entsprechenden Investitionsbereich genau erkunden und das Wachstumspotenzial evaluieren.

Zweitens braucht man ein klares realistisches Geschäftsmodell und Zeit, um sich mit den hiesigen Besonderheiten vertraut zu machen. Für neue österreichischen Investoren sind wir als österreichische Community sehr gut organisiert und können jeden gerne unterstützen. Ich betone jedoch erneut, dass man sich mit den Besonderheiten des hiesigen Umfeldes vertraut machen muss.

BTA - Gibt es österreichische Investoren, die nach Bulgarien kommen wollen und in welchem Bereich werden sie investieren?

AM - Wir tauschen mit allen Großinvestoren in Bulgarien Erfahrungen aus, besonders mit Investoren aus der Infrastruktursparte. Es ist sehr wichtig, dass die Regierung gegenüber den ausländischen Investoren den freundschaftlichen und freundlichen Umgangston beibehält. In fast allen Bereichen gibt es noch viel Investitionspotenzial.

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