"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Letzte Chance für das Projekt Kaunertal" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 16. Mai 2010

Innsbruck (OTS) - Der Ausbau im Kaunertal ist das Herzstück der Tiwag-Kraftwerkspläne. Ist auch der nun vorgestellte Standort Platzertal nicht realisierbar, wird es ganz eng.

Die Tiroler Landesregierung ist geschlossen für den Ausbau der Wasserkraft, die Mehrheit der Bevölkerung laut allen Umfragen auch. Wenngleich zuweilen, wie auch bei anderen Bauprojekten, das Florianiprinzip greift, dass Kraftwerke zwar gebaut werden sollen, möglichst aber nicht in der eigenen Region.

Es gibt zwar einige weitere, teils heftig umfehdete Projekte wie das Grenzkraftwerk Inn oder die Innkraftwerke Telfs und Breitenbach, der größte Fokus liegt aber auf dem Ausbau der beiden schon derzeit größten Tiwag-Kraftwerke Sellrain-Silz und Kaunertal. Bei Sellrain-Silz scheinen die Realisierungschancen nicht so schlecht, beim mit Abstand massivsten Ausbauprojekt Kaunertal muss sich dies erst noch herausstellen.

Es geht um die Nutzung des großen Ötztaler Wasserschatzes. Das energiewirtschaftlich vielleicht lukrativste Projekt im Sulztal wurde von der Politik schon vor Jahren gestoppt. Danach sind immer neue Varianten ins Spiel und dann wegen harter politischer Widerstände, Umweltschutz- oder Kostengründen wieder abgeblasen worden: Nach Rofenache im Ötztal und Rifflsee im Pitztal wurden die Speicherstandorte im Taschachtal sowie Fernergrieß im hinteren Kaunertal aus dem Hut gezaubert. Diese liegen aber in Natura-2000-Gebieten und würden laut den jüngsten geologischen Untersuchungen der Tiwag viel teurer als bisher angenommen.

Vorerst wird deren Aus zwar noch nicht verkündet, aber der Speicher im Platzertal (der nun bereits fünfte Standort) soll endlich den gordischen Knoten durchschlagen. Allen Verantwortlichen, von der Landespolitik bis hin zur Tiwag, ist klar: Es könnte die letzte Möglichkeit sein, den Kaunertal-Ausbau zu retten.

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