Wirtschaft stagniert im I. Quartal 2010

Wien (OTS/WIFO) - Gemäß der aktuellen WIFO-Schnellschätzung stagnierte die österreichische Wirtschaft im I. Quartal 2010 gegenüber dem IV. Quartal 2009. Die Erholung, welche seit Mitte 2009 beobachtet wurde, hielt damit inne. Besonders in der exportgetriebenen Sachgütererzeugung kam der Aufwärtstrend zum Stehen. Die Bauwirtschaft verzeichnete wetterbedingt Produktionsausfälle. Im Vorjahresvergleich wuchs die österreichische Wirtschaft aber erstmals wieder seit dem III. Quartal 2008 (+0,4%).

Die Erholung der österreichischen Wirtschaft wurde zu Jahresbeginn gedämpft. Im I. Quartal stagnierte die Wertschöpfung saison- und arbeitstagsbereinigt im Vorquartalsvergleich (nach +0,3% im IV. Quartal 2009 und +0,7% im III. Quartal), während es das unbereinigte Vorjahresniveau real um 0,4% übertraf. Nachdem die Wertschöpfung der Sachgütererzeugung seit Mitte 2009 im Vorperiodenvergleich wieder expandiert hatte, sank sie im I. Quartal um 0,9%. Sie lag damit leicht über Vorjahresniveau und um 12,2% unter dem Niveau vor Beginn der Rezession im I. Quartal 2008. Die Krise in der Bauwirtschaft hielt an. Zusätzlich hatte der vergleichsweise kalte und schneereiche Winter Produktionsfälle zur Folge, die Wertschöpfung sank das achte Mal in Folge (-0,1% gegenüber der Vorperiode). Während die Konjunktur in den Bereichen Handel, Gastgewerbe und Verkehr verhalten blieb, setzt sich die Stabilisierung der Vermögens- und Unternehmensdienstleistungen fort. Im Vorjahresvergleich beeinflussten einige Sonderfaktoren wie der frühe Ostertermin 2010 und die Einführung der Verschrottungsprämie im April 2009 die Veränderungsraten im Handel und Gastgewerbe.

Parallel zur Entwicklung in der Industrie verloren auch die saisonbereinigten Exporte nach der Belebung in den zwei Quartalen zuvor zuletzt deutlich an Schwung (-0,2%). Während die Warenexporte im Vorquartalsvergleich stagnierten, nahm der Dienstleistungsexport ab. Auch die Importe sanken gegenüber der Vorperiode um 0,2%. Sowohl Importe als auch Exporte lagen im I. Quartal 2009 jedoch erstmals wieder über dem unbereinigten Vorjahreswert (Exporte +1,3%, Importe +0,2%).

Aufgrund der geringen Auslastung der Unternehmen waren die Ausrüstungsinvestitionen abermals rückläufig, wenngleich sich der Rückgang verlangsamte. Die Bauinvestitionen sinken saison- und arbeitstagsbereinigt im Vorquartalsvergleich nun schon seit zwei Jahren. Dabei wurden die Investitionen in Wohnbauten im I. Quartal erneut überdurchschnittlich eingeschränkt. Die Anlageinvestitionen (Ausrüstungen und Bauten) verringerten sich saisonbereinigt um 1,9% und lagen auch unbereinigt immer noch unter dem Niveau des Vorjahres (-9,4%).

Der private Konsum expandierte saison- und arbeitstagsbereinigt mit +0,3% gegenüber dem Vorquartal weiterhin stabil und ebenso stark wie in den drei Quartalen zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich in den unbereinigten Werten aufgrund des frühen Ostertermins ein Anstieg um 2,5%.

Übersicht 1: WIFO-Schnellschätzung zur vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen" gesprochen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch http://www.statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Sandra Bilek-Steindl, Dr. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-244 bzw. 245 * Fax. +43 1 798 93 86
Sandra.Bilek-Steindl@wifo.ac.at, Marcus.Scheiblecker@wifo.ac.at

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