Bioethikkommission rät zur Vorsicht in Bezug auf Gen- und Genomtests im Internet

Wien (OTS) - Die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt hat am
10. Mai 2010 eine Stellungnahme zu "Gen- und Genomtests im Internet" abgegeben. Die Bioethikkommission sah die Notwendigkeit, sich mit diesem Thema zu befassen, da Firmen das Internet dafür nutzen, Produkte unter Umgehung der nationalen gesetzlichen Vorschriften direkt zu vermarkten. Dies wird vorwiegend von Firmen in den USA gemacht, die Gen- und Genomtests für umgerechnet etwa 300 bis 2000 Euro, je nach Bandbreite der Leistungen, anbieten.

Da die in Österreich für Gen- und Genomtests geltenden gesetzlichen Schranken in Bezug auf die Selbstbestimmung des Patienten, die Beratung und den Datenschutz in diesem Zusammenhang nicht greifen, rät die Bioethikkommission zur Vorsicht bei "Selbsttestung" über das Internet.

Die Bioethikkommission empfiehlt,

  • bei Verdacht auf eine monogene Erkrankung, die durch den Defekt in einem einzigen Gen begründet ist (z.B. erblicher Brustkrebs, einzelne Formen des Dickdarmkrebs, Chorea Huntington etc.), in jedem Fall einen dafür ausgebildeten Facharzt zu konsultieren, um dessen umfassende Beratung in Anspruch nehmen zu können.
  • von der Testung auf mögliche polygene multifaktorielle Erkrankungen, die stark von exogenen Faktoren bestimmt sind, grundsätzlich Abstand zu nehmen, da deren Aussagekraft derzeit zu gering ist, um klinisch-pathologischen Wert zu haben.

Für den Fall, dass trotzdem ein Gen- oder Genomtest im Internet gewünscht wird, empfiehlt die Bioethikkommission,

  • vor der Testung ein Aufklärungsgespräch mit einem in Genetik und vor allem in den Verfahren des Gentests erfahrenen Arzt zu führen.
  • keinesfalls Proben von Minderjährigen oder nicht einwilligungsfähigen Personen zur Gen- oder Genomanalyse im Internet zu versenden.

Weiters empfiehlt die Bioethikkommission relevanten beruflichen Interessensorganisationen, wie etwa den Ärztekammern und ihren Mitgliedern, entsprechendes Fortbildungsmaterial zur Verfügung zu stellen.

Link zur Stellungnahme:
http://www.bundeskanzleramt.at/DocView.axd?CobId=39456

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Dr. Doris Wolfslehner
Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt - Geschäftsstelle
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Tel.: +43 1 531 15-2987
Fax: +43 1 531 09-2987
E-Mail: doris.wolfslehner@bka.gv.at

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