WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das hat sich der Euro wirklich nicht verdient - von Jochen Hahn

Ein "Untergang" des Euro stand in keiner Sekunde zur Diskussion

Wien (OTS) - Es ist höchst an der Zeit, einige Dinge in der Euro-Berichterstattung zurechtzurücken. Um das zu tun, beginne ich mit zwei Fragen: Wissen Sie, wann die europäische Gemeinschaftswährung eingeführt wurde? Und vor allem: Wo lag der erste Wechselkurs?

Richtig, die Geburtsstunde des Euro als Buchgeld war der 1. Jänner 1999. Die Frage bezüglich des ersten Dollar-Wechselkurses ist schon deutlich schwerer zu beantworten. Das wurde auch am Sonntag offensichtlich, als der höchste Währungshüter Österreichs in der ORF-Sendung "Im Zentrum" über den Euro zu referieren begann. Ewald Nowotny ist nämlich der Ansicht, dass der Euro unter der Dollar-Parität zur Welt gebracht wurde. Dementsprechend sei doch der aktuelle Wechselkurs kein Drama.

Da fällt mir spontan nur eines ein: "Lernen Sie Geschichte, Herr Gouverneur!". Der Euro startete mit einem Kurs von 1,1789 $ in die Währungswelt und hielt sich punktgenau zwölf Monate über dem Paritätslevel. Erst im Oktober 2000 markierte er bei 0,8398 $ sein historisches Tief. Um also Relationen ins rechte Licht zu rücken, sollte zumindest jenen Akteuren der Euro-Kursverlauf geläufig sein, von denen Wohl und Wehe der Gemeinschaftswährung mit abhängt. Dass derartige "Hoppalas" in der öffentlichen Diskussion nicht nur unwidersprochen bleiben, sondern von anderen Experten auch noch nachgebetet werden, ist ebenso erschreckend. Es ist dann folglich kein Wunder, von welchen Schlagzeilen die aktuelle EU-Verschuldungskrise begleitet wird und mit welcher Dramatik auch die Politik darauf einsteigt. Eigentlich hätte diese ja die gegenteilige Aufgabe, nämlich zu deeskalieren.

Ein "Untergang" des Euro stand nämlich in keiner Sekunde, auch nicht an dem von "bösen" Spekulanten durchsetzten Kapitalmarkt, zur Debatte. Der Euro ist stabil, zumindest so stabil wie vor der Krise, und hat schon schlimmere "Talfahrten" hinter sich gebracht. Gut, binnen sechs Monaten hat der Euro gegenüber dem Dollar rund 16 Prozent verloren, er notiert aber mit 1,27 $ rund 34 Prozent über seinem Allzeit-Tief. Übrigens, es ist noch nicht lange her, da galt ein Kurs über 1,30 $ als Gift für die Exportwirtschaft.

Sachlich sollte daher argumentiert werden: Das 750 Milliarden Euro schwere Rettungspaket soll den aus dem Ruder gelaufenen Anleihenmarkt wieder beruhigen, so eine Refinanzierung der Problemstaaten ermöglichen und das Banksystem stützen. Im Extremfall soll die EZB mit Anleihenkäufen einschreiten, um Spekulation zu unterbinden. Zudem werden die Defizitsünder zum Sparen gezwungen. That's it!

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001