AKNÖ: Schutz vor überlangen Arbeitszeiten ging verloren

ExpertInnentagung in Wien: Für Teilzeitbeschäftigte gibt es oft keine Feiertage

wien (OTS/aknö) - Österreich ist einsamer Spitzenreiter bei überlangen Wochenarbeitszeiten. Jede/r siebente ArbeitnehmerIn leistet regelmäßig 48 Wochenstunden und mehr. In den 27 EU-Ländern finden sich solche Werte nur noch in Großbritannien. Und jeder 4. Beschäftigte leistet Überstunden. Anlässlich einer ExpertInnenentagung der Niederösterreichischen Arbeiterkammer zum Thema "Das entgleiste Arbeitsrecht" am Dienstag in Wien kamen aber auch die massiven Probleme der weiblichen Beschäftigten mit der Teilzeit zur Sprache. AKNÖ-Präsident Hermann Haneder: "Die Teilzeit wird vom Dienstgeber oft so spontan eingeteilt, dass ein planbares Familienleben praktisch nicht mehr möglich ist. Und bezahlte Feiertage sind für Teilzeitbeschäftigte oft gänzlich unbekannt."

Wenn Mehr- und Überstunden einst den Effekt hatten, ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, so ist dies heute oft nicht mehr der Fall. AKNÖ-Abteilungsleiter für Arbeits- und Sozialrecht DDr. Wolfgang Massl: "Die Unternehmen versuchen, Mehrleistungen und insbesondere Überstunden möglichst zuschlagsfrei zu erhalten."

Alarmierender Trend zu "uferlosem Arbeitseinsatz"

Mit besonderer Sorge betrachten die AKNÖ-ExpertInnen, wie sich All-In-Verträge, also die Pauschalierung der Entlohnung, immer weiter ausbreitet. Was einst für Führungskräfte gedacht war, findet sich heute quer durch alle Branchen und Berufe. Wolfgang Massl: "Die Entlohnung verschwindet in einem Nebel der Undurchsichtigkeit. Der Zusammenhang zwischen Normalarbeitszeit, Überstunden und höchstzulässiger Arbeitszeit verschwimmt in einem Gewirr von Klauseln." Flexibilität wurde so zu einem "Kampfbegriff" der Arbeitgeberseite, weil sie letztendlich einseitig über den Einsatz der Arbeitskräfte bestimmen wollen - und auch können.

Teilzeitarbeit - eine instabile Form der Beschäftigung

Auf die Spitze getrieben wird die eingeforderte Flexibilität der Arbeitskraft bei Teilzeitbeschäftigten. Mittlerweile arbeitet jede 2. Frau in Teilzeit. "Aber 93 Prozent aller Anfragen zum Thema Teilzeit kommen von weiblichen Beschäftigten", betonte Arbeitsrechtsexperte Kurt Zach einen weiteren Aspekt "wie das Arbeitszeitrecht ausfranst". Teilzeit, so geht aus zahlreichen Anfragen bei der AKNÖ-Arbeitsrechts-Hotline hervor, verlangt starke Nerven. Dienstpläne werden oft viel zu spät bekannt gegeben, so dass zum Beispiel bei der Kinderbetreuung nicht in Sicherheit wiegen kann. Bezahlte Feiertage sind für Teilzeitbeschäftigte oft ein Fremdwort. "Teilzeit lädt die Arbeitgeber zum Jonglieren mit dem Arbeitskräfteeinsatz ein", so der Arbeitsrechtsexperte der AKNÖ. Als weitere Referenten setzten sich Univ-Prof. Dr. Pfeil (Universität Salzburg) und Dr. Rene Schindler (Gewerkschaft Pro-Ge) mit dem Thema auseinander.

Rückfragen: DDr. Wolfgang Massl, Abteilungsleiter Arbeits- und Sozialrecht, Tel. 05-7171-1403.

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