Missbrauch: Juristen bezweifeln Sammelklage gegen Kirche

Skepsis und Fragezeichen im "Rechtspanorama" der "Presse" zu den Initiativen der Rechtsanwälte Zanger und Schostal

Wien, 11.05.10 (KAP) Die angedrohten kollektiven Klagen gegen die katholische Kirche in Österreich würden sich bei genauerem Hinsehen als nicht so einfach erweisen, wie von manchen Anwälten zunächst dargestellt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Beitrag des Journalisten Benedikt Kommenda im "Rechtspanorama" in der Tageszeitung "Die Presse". Unter dem Titel "'Prozessieren' per PR und Pressekonferenz" werden die Initiativen der beiden Wiener Rechtsanwälte Georg Zanger und Werner Schostal ausgiebig beleuchtet. Beide wurden in den Medien immer wieder mit der Ankündigung erwähnt, sich von einem Gericht als Kuratoren für Missbrauchsopfer bestellen zu lassen und Sammelklagen gegen die Kirche einbringen zu wollen.

"Das Wort Sammelklage kam nicht von mir", wird nun der Wiener Rechtsanwalt Werner Schostal von der "Presse" zitiert, die auch den Grund benennt, warum Sammelklagen für Missbrauchsopfer "denkbar ungeeignet" seien: "Sammelverfahren können nur allgemeine Rechtsargumente vorbringen, die auf alle Kläger zutreffen." Die Presse zitiert dafür die Website von Schostals Kanzleikollege Andreas Pascher, der über Erfahrungen mit Sammelklagen im Zusammenhang mit Wertpapierverlusten verfügt. Genau das sei aber bei den Missbrauchsfällen schwer gegeben, weil sie zu unterschiedlich gelagert seien. "Kollektive Ansprüche zu erheben wegen des Vorwurfs psychischer und physischer - auch sexueller Gewalt - an unterschiedlichen Orten, zu verschiedenen Zeiten, in mehr oder minder großer Intensität, ausgeübt von einer unbekannten Zahl von Personen, dürfte nicht so einfach sein", meint daher die "Presse".

Große Skepsis besteht auch gegenüber der Ankündigung von Rechtsanwalt Georg Zanger, sich von einem Gericht auf Grundlage von Paragraf 270 ABGB als Kurator für Missbrauchsopfer bestellen zu lassen. Zanger hatte bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Schostal am 22. April darauf verwiesen, dass ihm vor zehn Jahren eine ähnliche Bestellung als Kurator im Zusammenhang mit Ansprüchen für unbekannte Zwangsarbeiter gelungen sei. Das dürfte aber nicht die ganze Geschichte gewesen sein, denn - wie die "Presse" im Detail beschreibt - das Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen habe diesen Beschluss wieder aufgehoben und am Ende scheiterte Zanger auch mit seinem Revisionsrekurs vor dem Obersten Gerichtshof.

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