Neuer Wiener Sammelband zur Stadt im Mittelalter erschienen

Wien (OTS) - Städte im Mittelalter, speziell wenn man in der Frühepoche forscht, sind eine komplizierte Sache: Urkunden dazu sind rar, auf Darstellungen kommt die frühe Stadt meist nur schematisch als Burg und Tor vor, stadtarchäologische Grabungen - meist in Form von Rettungsgrabungen etwa bei Garagenprojekten - offenbaren zwar wertvolle, aber doch unsystematische Ergebnisse. Viele der insgesamt 18 publizierten Vorträge des kürzlich in Wien vorgestellten Sammelbandes "Europäische Städte im Mittelalter" (Siehe RK-Meldung vom 27.4.) von Ferdinand Opll und Christoph Sonnlechner - ersterer leitet noch bis Ende Mai das Wiener Stadt- und Landesarchiv, zweiterer arbeitet wissenschaftlich dort - verweisen auf die oben genannten Schwierigkeiten, zeigen aber andererseits, wie dennoch international fruchtbar geforscht wird.

War mittelalterliche Stadtgeschichte bis in die 1950er Jahre meist Privileg von Rechtshistorikern bzw. auch national-ideologisches Kampfmittel etwa zwischen "slawischer Siedlung" und "deutscher Städtegründung", kam es in den späten 1960er Jahren bei den Mediävisten zu Neuausrichtungen im Forschungsbereich: Soziale Konflikte zwischen den Ständen, das Leben der Armen, Alten und Kranken, etwas später dann die ausgeblendete Geschichte von Frauen und Juden, jüngst die Beziehung zwischen Stadt und Umwelt, inklusive Klimaforschung und Abfallanalyse. Ob London zwischen 600 und 1200, frühmittelalterliche Städte in Skandinavien, das Sozialgefüge Dublins oder polnischer Städte: Der Sammelband weitet positiv den Blick auf größere Zusammenhänge. Zu Wien haben die beiden Stadtarchäologinnen Karin Fischer Ausserer und Ingeborg Gaisbauer publiziert, Erwin Reidinger schreibt zu "Stadtplanung im hohen Mittelalter", Opll setzt sich mit der städtischen Entwicklung Wiens bis zum Ende des 13. Jahrhunderts auseinander, Peter Csendes mit "Stadtlandschaft an Strom und Straße", wie auch Sonnlechner, der für seine Theorie des ökologischen Fußabdruckes Maß am spätmittelalterlichen Wien nimmt.

Der Band basiert auf der gleichnamigen Tagung vor zwei Jahren. Anlass damals war die 800. Wiederkehr der Urkunde Leopold VI. zugunsten der "flandrenses", Tuchfärber aus Flandern, im Jahr 1208. Besagtes Dokument ist zugleich auch das Älteste in der Sammlung des Wiener Stadt- und Landesarchivs.

Ferdinand Opll/Christoph Sonnlechner (Hg.), Europäische Städte im Mittelalter, 408 Seiten, Studien Verlag 2010, www.studienverlag.at, Euro 44,90.

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