Gesundes Wohnen beginnt mit gesundem Bauen!

Chemikalien vermeiden - Gesundheit und Umwelt schützen!

Wien (OTS) - (GBH/ÖGB). Nicht nur der Frühling liegt in der Luft, wenn es ums Bauen geht! In jedem Bauwerk werden Unmengen an Chemikalien verarbeitet. Die Wenigsten wissen darüber Bescheid -weder die Arbeitnehmer, die damit arbeiten müssen, noch die Menschen, die in den Gebäuden wohnen. ++++

Gute Luft ist das wichtigste Lebensmittel für Menschen!

Die Wohnbaugenossenschaft Neue Heimat/GEWOG geht deshalb mit Unterstützung der Gewerkschaft Bau-Holz seit einigen Jahren neue Wege und setzt auf Transparenz in der Chemikalienverwendung und auf die Vermeidung von Schadstoffen. Das macht die Arbeitplätze von Bauarbeitern und die Wohnungen unserer Familien gesünder!

Dieses Bekenntnis zu umfassendem ökologischen Schadstoffmanagement ist leider keineswegs selbstverständlich. Immer noch kommt im Baugeschehen eine Unmenge von chemischen Zusatzstoffen zum Einsatz, die bei der Verarbeitung, aber langfristig auch in der Innenraumluft zahlreiche Schad- und Giftstoffe abgeben können. Damit beeinträchtigen sie sowohl die am Bau Beschäftigten, die gesamte Umwelt, aber auch langfristig Bewohnerinnen und Bewohner jener Häuser, die unter Einsatz bedenklicher Chemikalien errichtet werden. Für die Menschen, die mit solchen Stoffen in Berührung kommen, können diese zu Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Augen- und Atemwegsreizungen, aber auch zu schwersten Erkrankungen und Allergien führen. Das gilt besonders für Kinder und kranke Menschen. Am stärksten trifft diese Chemikalienbelastung natürlich jene, die direkt und täglich in der Verarbeitung der Baustoffe dieser Belastung ausgesetzt sind: die am Bau beschäftigten Arbeiter. So liegen im Bereich der am Bau Beschäftigten beruflich erworbene Hautkrankheiten heute im Spitzenfeld der Berufskrankheiten.

Andreas Huss, der als leitender Sekretär des Referates für ArbeitnehmerInnenschutz und Gesundheit der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) rund 130.000 Beschäftigte im Bauhaupt- und Baunebengewerbe vertritt, weiß um diese Gefahr: "Zwar sind laut Bauarbeiterschutzverordnung Sicherheitsdatenblätter über die chemischen Eigenschaften der Baustoffe auf der Baustelle aufzulegen und über die Gefahren im Umgang damit zu informieren - Theorie und Praxis klaffen hier aber noch weit auseinander". Denn nicht umsonst ist keine Berufsgruppe so stark von nachhaltigen gesundheitlichen Schäden betroffen wie die Bauarbeiter. Rund 72 Prozent aller Bauarbeiter müssen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung in Invaliditätspension gehen. Dazu tragen nicht zuletzt auch gefährliche Arbeitsstoffe bei.

Abg. z. NR Josef Muchitsch, Stv. Bundesvorsitzender der GBH, ergänzt:
"Das Chemikalienmanagement ist ein wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen Wohnbaus. Wir schaffen gerade im Wohnbau nachhaltige Werte. Die Neue Heimat/GEWOG als GBH-Tochterunternehmen geht diesen nachhaltigen Weg zum Wohle der Bauarbeiter ebenso wie zum Wohle der zukünftigen BewohnerInnen der Bauten. Ich sehe das auch als wichtigen Schritt und Beitrag der Gewerkschaft Bau-Holz in ihrer zukünftigen Orientierung zur Nachhaltigkeitsgewerkschaft. Wir reden immer vom gesünder Leben. Warum nicht auch beim Verarbeiten von Bauchemikalien bis hin zum Wohnen? Bei der notwendigen Wiedereinführung der Zweckbindung bei Wohnbaufördermitteln muss gesundes Bauen eine wichtige Grundlage zur Gewährung dieser Fördermittel werden."

Für zahlreiche gefährliche Stoffe wie zum Beispiel Biozide, die oft in Wandfarben und Dichtungsmassen als Anti-Schimmelmittel-Zusatz Verwendung finden, gibt es noch keine gesetzlichen Beschränkungen. Karl Wurm, Geschäftsführer der Neue Heimat/GEWOG: "Hier setzt das freiwillige Chemikalienmanagement, das die Neue Heimat/GEWOG umsetzt, zum Beispiel an und verringert damit schädliche Auswirkungen auf Beschäftigte, aber langfristig auch auf die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner."

Etwa 90 Prozent der Lösungsmittel lassen sich einsparen

Durch das begleitende Chemikalienmanagement lassen sich im Hochbau etwa 90 Prozent der potentiell eingesetzten Lösungsmittel einsparen. Susanne Reppé, in der Neue Heimat/GEWOG für Projektentwicklung verantwortlich: "Beim GEWOG-Projekt Roschégasse in Wien 1110 konnte hochgerechnet der Einsatz von rund 1.000 Kilogramm Lösungsmitteln in Klebstoffen, Lacken, Farben, Voranstrichen usw. vermieden werden. Dies entspricht etwa 31 t CO2, dem Äquivalent von 230.000 gefahrenen Kfz-Kilometern, also einer Autofahrt fast 6 mal rund um den Äquator!"

Bauökologische Begleitung als Innovationsmotor
Die bauXund forschung und beratung gmbh. bietet seit rund zehn Jahren die bauökologische Begleitung von großen Hochbauprojekten an.

bauXund-Geschäftsführer Thomas Belazzi zeigt neben den Hauptzielen der Sicherstellung einer guten Raumluft, des ArbeitnehmerInnenschutzes und des Umweltschutzes weitere wichtige Faktoren der bauökologischen Begleitung auf: "Chemikalienmanagement ist ein Innovationsmotor. Durch die planungs- und baubegleitende Vorgabe von bauökologischen Kriterien werden deren Nachfrage gezielt gesteigert und dadurch nicht zuletzt Produktinnovationen angeregt." Dem immer wieder vorgebrachten Argument, dass man sich "Ökologie" nicht immer leisten kann, ist entgegenzuhalten, dass diesem "Mehr" an Ökologie auch ein Mehrwert für den Bauherrn gegenübersteht (gute Raumluft, ein zusätzliches Marketingargument im Vertrieb, etc.). "Vielfach ist das Argument des `Es-sich-nicht-leisten-können?, nur ein Killerargument und Vorwand für das Verharren in alten Routinen und Untätigkeit. In manchen Fällen ist das ökologische Produkt sogar billiger!", so Belazzi.

ÖGB, 10. Mai 2010

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