Asyl: Evangelische Oberkirchenrätin übt Kritik an Abschiebepraxis

Kritk Reiners im Gespräch mit "Kathpress" an Abschiebungen nach Griechenland, wo gravierende Missstände im Asylwesen herrschen

Wien, 10.05.10 (KAP) Kritik an der österreichischen Abschiebepraxis von Asylwerbern hat die lutherische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner geübt. Im "Kathpress"-Gespräch am Montag kritisierte Reiner die österreichische Praxis, noch immer Asylwerber im Rahmen des "Dublin-Systems" nach Griechenland abzuschieben. Dabei sei es wohl nicht möglich, dass Asylsuchende in Griechenland ein faires Asylverfahren bekommen.

Eine Delegation des Europaparlaments hatte in Griechenland schon vor rund zwei Jahren gravierende Missstände in der Umsetzung der europaweiten verbindlichen Regeln im Umgang mit Flüchtlingen festgestellt. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte an die EU-Staaten appelliert, im Rahmen des "Dublin-Systems" keine Asylwerber nach Griechenland zurückzuschicken. Deutschland halte sich beispielsweise auch daran, so Reiner.

Die Oberkirchenrätin hatte am Sonntag im KZ Mauthausen in ihrer Predigt beim ökumenischen Gottesdienst zur Gedenkfeier den Fall eines jungen Iraners angesprochen, der am Samstag nach Griechenland abgeschoben worden war. Der Mann sei wegen seines christlichen Glaubens aus dem Iran geflohen und über Griechenland nach Österreich gelangt, wo er bei einer evangelischen Pfarrerfamilie Aufnahme gefunden hatte. Nach einem Jahr und einem zweimal abgelehnten Asylantrag sei er nun ohne Vorwarnung binnen weniger Stunden in Gewahrsam und abgeschoben worden. Alle Interventionen und Anträge kirchlicher Persönlichkeiten hätten den jungen Mann nicht beschützen können, so Reiner.

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