TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 7. Mai 2010, von Alois Vahrner: "Griechenland bleibt in Intensivstation"

Die Rettung Griechenlands vor dem Bankrott steht auf wackligen Beinen. Eine Ausweitung auf andere Länder hieße wohl das Aus für den Euro.

Innsbruck (OTS) - Nur mit dem Hilfspaket von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank konnte die drohende Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden. Bis zu 110 Mrd. Euro, davon 2,3 Mrd. Euro aus Österreich, an Krediten fließen in den nächsten drei Jahren an den schwer angeschlagenen Mittelmeerstaat.
Der Finanz-Komapatient Griechenland wird aber wohl trotz der beispiellosen Geldspritze noch lange in der Intensivstation bleiben. Denn dass die griechische Regierung das brutale Sparpaket jahrelang durchhält, muss stark bezweifelt werden. Die ersten Streikwellen, bei denen bereits drei Todesopfer zu beklagen waren, lassen leider Schlimmes befürchten. Zumal den Griechen als Folge der Finanzkrise lange Jahre mit Einkommenseinbußen, Rezession und höherer Arbeitslosigkeit ins Haus stehen.
Politiker in ganz Europa werden nicht müde zu betonen, dass eine Ansteckung anderer Länder nicht drohe. Alle Zweifel beseitigt haben sie bisher aber nicht, wenn man die Risikoaufschläge bei Anleihen etwa für Portugal oder Spanien anschaut. Und auch Italien, Irland oder auch Belgien stehen bereits im Visier der Finanzmärkte. Müssten die genannten Länder ebenso gerettet werden, würde dies laut dem deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) die übrigen Staaten der Eurozone über eine Billion Euro, also über 1000 Mrd. Euro kosten.
Ein Finanzloch, das dann nicht mehr gestopft werden könnte und die Eurozone wohl sprengen würde. Kandidaten wie Polen oder Rumänien werden wohl noch länger auf der Wartebank Platz nehmen müssen. Und immer mehr denken bereits laut über eine Kern-Eurozone nach. Beinharte Kriterien, Überprüfung und Sanktionen: Dass dies nicht schon zum Start des Euro passiert ist, dafür müssen nun alle Europäer viel Lehrgeld zahlen.

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