Unis: Schlechtes Betreuungsverhältnis trotz mehr Personal Rechnungshofausschuss zum Thema Unis und Fachhochschulen

Wien (PK) - Das schlechte Betreuungsverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden an den Universitäten war einmal mehr beherrschendes Thema in einem Ausschuss, dieses Mal im Rechnungshofausschuss. Grundlage dafür war der Prüfbericht des Rechnungshofs über die Auswirkungen der Personalhoheit auf die Gesamtkostensituation der Universität Wien und der Wirtschaftsuniversität Wien.

Die Kernaussage des Berichts geht dahin, dass der seit 2004 eingeräumte Gestaltungsfreiraum in Personalangelegenheiten bis
2008 nicht zu einer Verbesserung des Betreuungsverhältnisses zwischen Studierenden und universitärem Lehrpersonal geführt hat. So fielen an der WU Wien generell 331 Studierende auf einen Professor, an der Universität Wien 191. Während an der Universität Wien die Steigerungen der Studierendenzahlen
abgefangen werden konnten, haben sich die ohnehin schlechten Betreuungsrelationen an der WU Wien weiter verschlechtert.
Angemerkt wird jedoch, dass beide Universitäten bei den Entgeltvereinbarungen marktwirtschaftlich vorgegangen sind. Der Anteil des Personalaufwands hat sich im Zeitraum von 2004 bis
2008 an der Universität Wien von 57 auf 60 % erhöht, an der Wirtschaftsuniversität Wien ist dieser mit 63 % konstant
geblieben.

Die Fragen der Abgeordneten Gabriel Obernosterer (V), Daniela
Musiol (G) und Wolfgang Zanger (F) an Wissenschaftsministerin Beatrix Karl gingen daher auch in diese Richtung. Karl räumte Probleme in den Massenstudienfächern ein, betonte gleichzeitig jedoch, dass es etwa in Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften und Technik zu wenig Studierende gibt. 60 %
der AnfängerInnen würden lediglich in 10 % aller angebotenen Fächer inskribieren. Trotz zusätzlichen Personals habe sich in manchen Massenstudien das Betreuungsverhältnis deshalb nicht geändert, weil die Zahl der Studierenden zu rasch angestiegen
sei, um darauf entsprechend reagieren zu können, erläuterte sie.

Notwendig ist daher aus der Sicht der Ressortchefin ein Maßnahmenpaket, das bereits in der Schule ansetzt.

Gemeinsam mit der Unterrichtsministerin würden dazu Modelle ausgearbeitet, um den SchülerInnen eine bessere Beratung über das gesamte Spektrum des Studienangebots zur Verfügung zu stellen.
Karl nannte in diesem Zusammenhang das Modell des "Studien-
Checks", das derzeit als Pilotprojekt läuft und ab dem Jahr 2014 voll ausgebaut sein soll. Darüber hinaus bemühe man sich, Kinder früh mit den Naturwissenschaften und der Technik in Beziehung zu bringen und in diesem Bereich Begabungen und Talente zu
entdecken.

Einmal mehr bekräftigte die Ministerin aus ihrer Sicht die Notwendigkeit von Zugangsverfahren in Massenfächern. Dort, wo es solche schon gibt, habe sich gezeigt, dass die betreffenden Studierenden viel zügiger vorankommen und es auch geringere Dropout-Raten gibt. Studierende brauchten transparente und faire Zugangsverfahren, sagte Karl, die derzeit häufig angewendeten Knock-out-Prüfungen seien im Gegensatz dazu unfair. Gemeinsam mit dem Koalitionspartner werde nunmehr das Modell einer neuen Studieneingangsphase erarbeitet, informierte sie.

Die von den Abgeordneten Martina Schenk (B) und Konrad Steindl
(V) angesprochenen Studiengebühren hielt Karl aus ihrer Sicht
zwar für sinnvoll, diese seien aber derzeit kein politisches
Thema, stellte sie fest. Rechnungshofpräsident Josef Moser kündigte darüber hinaus einen Bericht seines Hauses über die Auswirkungen der Studienbeiträge an.

Die Wissenschaftsministerin informierte die Abgeordneten auch
über ihren Plan, eine externe Qualitätssicherung einzuführen. Sie zeigte sich zuversichtlich, mit einem legistischen Vorschlag dazu noch im Sommer in die Begutachtung gehen zu können.

Was die Finanzierung der Universitäten betrifft, so möchte die Ministerin das System transparenter gestalten, um nachvollziehen
zu können, welche Mittel in die Lehre gehen und wie hoch der
Anteil für die Forschung ist. Sie strebt daher eine Studienplatzfinanzierung an, womit der Finanzierungsstrom für die Lehrtätigkeit definiert werden kann.

Rechnungshofpräsident Josef Moser urgierte darüber hinaus, in die nächsten Leistungsvereinbarungen anhand der angenommenen Anzahl
der Studierenden nicht nur numerische Ziele für Professuren, sondern auch für wissenschaftliche MitarbeiterInnen festzulegen.
Im Zusammenhang mit der Prämiengewährung für das Rektorat, die insbesondere von Abgeordnetem Wolfgang Zanger (F) kritisiert
worden war, empfiehlt der Rechnungshof, nach Ablauf der Zielvereinbarungsperiode zu überprüfen, ob die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht wurden. Man müsse sowohl darauf achten, wie sich die Personalkosten entwickeln, wie man strukturell vorgeht
und welche numerischen Vorgaben man fixiert, unterstrich Moser.
Mit kritischem Unterton wies er weiters auf die Verlagerung von habilitiertem zu nicht-habilitiertem Personal hin.

Fachhochschulen: Wirtschaft soll sich stärker beteiligen

Kritik übt der Rechnungshof auch an der Entwicklung der Finanzierung des Fachhochschulsektors in einem weiteren Teil
seiner Prüfergebnisse. Zwar konnte sich laut Bericht das Fachhochschulwesen als kleiner, wachstumsorientierter Bereich innerhalb der tertiären Bildungslandschaft etablieren, doch blieb die ursprünglich in Aussicht genommene Mitfinanzierung durch die Wirtschaft weit unter den Erwartungen. Bund, Länder und Gemeinden kämen immer noch mehrheitlich für die Finanzierung dieses Sektors auf, heißt es. Die Wirtschaft selbst beteilige sich derzeit nur
mit 3 % an der Finanzierung der Fachhochschulen, wie das Kostenmonitoring zeige.

Hier hakte auch Abgeordnete Gabriela Moser (G) ein, die sich der Empfehlung des Rechnungshofs anschloss und sich für die flächendeckende Einführung des Kostenmonitorings und für mehr Transparenz bei den Förderungen aussprach.

Dazu bemerkte Bundesministerin Karl, auch sie würde sich ein stärkeres finanzielles Engagement der Wirtschaft wünschen. Es sei jedoch enorm wertvoll, dass die Unternehmen Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. Karl bekräftigte darüber hinaus die Notwendigkeit nicht nur einer engen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Fachhochschulen, sondern auch zwischen Wirtschaft
und Universitäten. Sie plane daher Wissenstransferzentren als
eine Drehscheibe einzuführen, damit Ideen zu innovativen
Produkten von Betrieben werden können. Davon würden vor allem die kleineren und mittleren Betriebe in den betreffenden Regionen profitieren, zeigte sie sich überzeugt.

Die Dropout-Quoten an den Fachhochschulen wurden von Abgeordnetem Stefan Prähauser (S) thematisiert. Der Rechnungshofbericht begrüßt, dass es im Fachhochschulwesen gelungen sei, den Zugang von Studierenden ohne Matura sowie Berufstätigen zu fördern, wodurch der Anteil von Studierenden mit nicht-traditionellen Zugangsvoraussetzungen im Zeitraum zwischen 2002/2003 und
2007/2008 von 7 % auf rund 10 % angestiegen ist. Handlungsbedarf orten die PrüferInnen aber angesichts der hohen Dropout-Quoten
von Studierenden, die ihren Universitätszugang nicht über die Matura erworben haben, sowie beim Zugang von FH-AbsolventInnen
zum universitären Doktoratsstudium, der sich trotz des Prinzips
der Durchlässigkeit nach wie vor schwierig gestaltet.

Auf die Kritik des Rechnungshofs, wonach ein Hochschulplan für
den gesamten tertiären Bildungsbereich ausständig ist, reagierte Bundesministerin Karl mit der Information, dass derzeit ein neuer Fachhochschulplan erstellt werde. Der Rechnungshof weist in
seinem Bericht außerdem auf Mängel bei der Steuerung des FH-Sektors durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Forschung hin und stellt fest, dass der Fachhochschulrat seine
strategischen Aufgaben vernachlässigt. (Schluss)

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