Grüne Wien/Ellensohn: Wiener Sozialzentren vor Kollaps

Sozialhilfe? Delogierung droht? Bitte warten... 4 Monate bis Hilfe kommt

Wien (OTS) - Die Fehlplanung bei der Sozialhilfe kritisiert der Grüne Stadtrat und Sozialsprecher David Ellensohn. 100.000 Wiener und Wienerinnen erhalten Sozialhilfe, das sind doppelt so viel wie vor 10 Jahren. Auch der Rechnungshof kritisiert die mangelnde personelle Ausstattung der Sozialzentren: Doppelte Kundschaft, nahezu gleichbleibender Personalstand. "Wer rasch hilft, hilft doppelt. In Wien läuft hier leider einiges schief. Wiener und Wienerinnen in Not müssen bis zu vier Monate Wartezeit in Kauf nehmen, bis endlich ein Antrag auf Sozialhilfe bearbeitet wird. Erst nach langen 4 Monaten erfahren die AntragstellerInnen, ob sie Sozialhilfe bekommen oder nicht" so Ellensohn. Dabei kann man ohnehin erst um Hilfe ansuchen, wenn alle anderen Mittel, wie Sparguthaben oder Unterstützung der Familie, erschöpft sind.

Den Menschen, die dringend Hilfe brauchen, wird eine zusätzliche Hürde in den Weg gestellt, wie Ellensohn ausführt: "Ein großes Problem stellt das neue Call Center der MA 40 dar. Man kann nicht mehr direkt anrufen, Auskünfte sind nur nach Rückruf möglich. Hier gibt es große Reibungsverluste in der ohnehin schon angespannten Situation. Das ist nicht nur für die KlientInnen, sondern auch für die MitarbeiterInnen in den Sozialzentren eine erhebliche Belastung".

Exemplarisch zeigt sich die prekäre Lage in den Sozialzentren bei der Delogierungsprävention für Mieter und Mieterinnen in Gemeindebauten. Im Wiener Gemeindebau werden pro Jahr mehr als 1.000 Delogierungen durchgeführt, dabei werden auch Minderjährige delogiert. "Die MitarbeiterInnen der MA40 sind für den Bereich der Delogierungsprävention zuständig. Die Arbeitsüberlastung dieser MitarbeiterInnen führt dazu, dass Termine mit einer SozialarbeiterIn erst vergeben werden, wenn die Delogierung unmittelbar bevorsteht. Ein Gespräch unter derartigem Druck ist für beide Seiten extrem schwierig", erläutert Ellensohn und fügt hinzu: "Besonders der Bereich der Sozialarbeit, das einfache Gesprächsangebot, geht in dieser Struktur völlig unter. Anstatt diese Beratungskompetenz im Haus für eine umfassende Perspektivenentwicklung zu nutzen, sind nur mehr absolute Feuerwehraktionen möglich", so Ellensohn.

Die Probleme sind seit langem bekannt. Die Volksanwaltschaft hat einen Bericht vorgelegt. Kürzlich hat der Rechnungshof in einer Überprüfung der MA 40 von fehlender Planung gesprochen. "Diese Entwicklung zuzulassen ist grob fahrlässig. Wenn so weitergewurschtelt wird, bleibt Wien nicht nur Österreichs Hauptstadt der Armut, sondern muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die steigende Armut nur noch verwaltet aber nicht mehr bekämpft wird. Viele neue SozialarbeiterInenn einstellen, damit Menschen in Not schneller zu ihrem Recht und zu Hilfe bekommen, ist der erste notwendige Schritt", schließt Stadtrat Ellensohn.

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