Leitl zu Griechenland: "An gemeinsamer EU-Wirtschaftspolitik führt kein Weg mehr vorbei"

WKÖ-Präsident sieht sich in Forderung nach europäischer Ratingagentur bestätigt: "Europa muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen"

Wien (OTS/PWK345) - "An einer Vertiefung der
wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit und der Errichtung einer europäischen Ratingagentur führt kein Weg vorbei. Das führt der Beinahe-Staatsbankrott Griechenlands auf dramatische Weise vor Augen", betont Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. "Die jetzige Situation ist nicht nur für Griechenland heikel, sondern für die gesamte Eurozone. Wer eine gemeinsame Währung teilt, den verbindet ein Schicksal und die lodernde griechische Flamme kann einen Flächenbrand in der Währungsunion auslösen, wenn jetzt nicht rasch und umsichtig gehandelt wird."

Abgesehen von der raschen Umsetzung des zugesagten Rettungsplanes für Griechenland, "die absolut notwendig und geboten ist", müssten die Weichen so gestellt werden, dass "so etwas in Zukunft erst gar nicht passieren kann", so Leitl. "Natürlich trägt Griechenland die Hauptverantwortung für das jetzige Schlamassel. Klar ist aber auch, dass die EU- und vor allem die Euro-Länder sich künftig wirtschaftspolitisch viel enger abstimmen müssen als das bisher der Fall ist." Zudem müssen einmal beschlossene Maßnahmen auch umgesetzt werden. "Die Geschichte der Währungsunion ist in erster Linie eine Erfolgsstory, sie ist aber leider auch eine Geschichte gebrochener Spielregeln. Griechenland ist da nur die Spitze des Eisberges." Eine striktere Haushaltsüberwachung auf europäischer Ebene sei "ein Muss", so der WKÖ-Präsident.

Leitl spricht sich zudem einmal mehr für die Errichtung einer europäischen Ratingagentur aus. "Große internationale Ratingagenturen haben mit ihrer falschen Einschätzung von Risiken die Finanzkrise mit ausgelöst. Und nun verschärfen dieselben Ratingagenturen die griechische Budgetkrise, indem sie die Kreditwürdigkeit trotz der im Raum stehenden umfassenden Hilfe der EU und des IWF nochmals herunter stufen. Das ist geradezu eine Einladung an Spekulanten", so Leitl.

Nur eine unabhängige Europäische Ratingagentur, wie sie nun zunehmend auch in Deutschland und anderen Euro-Ländern gefordert wird, könne die Chancen und Risiken in Europa seriös einschätzen. "Das Wohl Europas und die Stabilität des Euro dürfen nicht einzig und allein vom Urteil amerikanischer Ratingagenturen abhängen. Europa muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen", so Leitl abschließend. (SR)

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