Wald-Wiesen: Bundesforste bringen Orchideen im Wienerwald zum Blühen

Wald- und Wildwiesen als Hotspots der Artenvielfalt - Schutzprojekte im Biosphärenpark Wienerwald und Nationalpark Donau-Auen - Neue Broschüre mit Tipps für Wiesenbesitzer

Wien (OTS) - Bunte, artenreiche Natur- und Waldwiesen werden immer seltener. Gemeinsam mit Projektpartnern haben die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) ein Musterprojekt zum Schutz von Wiesen entwickelt. "Wir betreuen", so Georg Erlacher, ÖBf-Vorstands-sprecher, "über 30.000 Hektar Alm-, Wiesen- und Weideflächen in ganz Österreich. Wild- und Naturwiesen sind wertvolle, immer häufiger vernachlässigte Naturschätze. Sie sind nicht nur eine alte Kulturlandschaft, sondern bilden einen wichtigen Erholungs- und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen." So wurden im Biosphärenpark Wienerwald rund 500 Wiesen untersucht, ein Managementplan nach naturschutzfachlichen Kriterien erstellt und zahlreiche Schutzmaßnahmen durchgeführt. Etliche Pflanzen konnten in ihrem Fortbestand gesichert und wieder zum Blühen gebracht werden -darunter auch seltene Orchideenarten. Im Rahmen des Projektes ist die Broschüre "Aktiv für Wiesen und Weiden" entstanden, die Tipps für naturgerechte Wiesenbewirtschaftung gibt. Das Projekt stellt zudem einen wichtigen Beitrag zur Internationalen Biodiversitäts-Initiative "Countdown 2010" dar, deren Ziel es ist, den Verlust der weltweiten Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen.

Orchideen im Biosphärenpark Wienerwald

Extensiv genutzte und wenig bis gar nicht gedüngte Wiesen sind besonders wertvoll. Sie beherbergen zahlreiche selten gewordene Pflanzenarten wie etwa Orchideen. "Im Rahmen des Projektes", erklärt Erlacher, "wurden Wiesen von besonderem naturschutzfachlichem Wert als "Highlights" ausgewiesen." Mit über 20 heimischen Vertretern kommt die Orchidee auf den Wienerwald-Wiesen durchaus häufig vor. Dazu zählen mehrere Arten des Knabenkrauts aber auch der Frauenschuh, die größte heimische Orchidee. Der Mai ist die Hauptblütezeit der vielen nur als Tropenpflanze bekannten Pflanzenfamilie. Mit dem Projekt wird der Bestand zahlreicher gefährdeter Arten wie der Küchenschelle, dem Gefleckten Ferkelkraut und der Pannonischen Kratzdistel nachhaltig gesichert. "Die Verzahnung von Wald und Wiese", so der Vorstandsprecher, "ist von besonderer ökologischer Bedeutung. Greifvögel wie der Baumfalke oder der Wespenbussard brüten im Wald und nutzen die Wiesen zur Jagd."

Wiesen-Kooperation

Das Projekt entstand in Kooperation mit der Biosphärenpark Wienerwald Management GmbH, dem Naturschutzbund NÖ, dem Land Niederösterreich und der Stadt Wien. "Die Artenvielfalt", erklärt Biosphärenparkdirektor Gerfried Koch, "liegt in der Hand der Wiesenbesitzer. Sie schaffen mit ihrer Arbeit die Grundlage für artenreiche Wiesen und erhalten damit ein wichtiges Stück Lebensqualität in der Region." Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes NÖ, zeigt sich begeistert von der Wieseninitiative:
"Zahlreiche Kleinode wie Quellmoore oder für die Insektenwelt attraktive Halbtrockenrasen zeugen vom hohen naturschutzfachlichen Wert der Flächen. Großflächige Wiesengebiete sind attraktive Bruthabitate für den Wachtelkönig. Mit etwas Glück kann man in den Abendstunden das eigentümliche "chrrt chrrt" dieses seltenen und stark gefährdeten Vogels hören."

Je bunter umso artenreicher

"Naturbelassene Wiesen", erklärt Erlacher, "zeichnen sich durch hohen Pflanzen- und Tierreichtum aus. Auf die Pflege dieser Naturschätze legen wir besonderen Wert." Während auf artenarmen Wiesen 5 bis 10 Arten pro Quadratmeter zu finden sind, weisen artenreiche Wiesen 20 bis 30 verschiedene Arten auf. Allgemein gilt:
Je bunter eine Wiese wirkt, desto artenreicher ist sie. Düngung, zu häufige oder zu frühe Mahd, zu intensive Nutzung oder Verbuschung lassen den Anteil an Arten sinken. Ist eine artenreiche Wiese einmal zerstört, dauert es Jahre, bis sich das Ökosystem wieder regeneriert hat. "Die Natur", so Erlacher, "braucht Zeit." Nicht nur Pflanzen, auch Tiere bevorzugen artenreiche Flächen wie etwa Streuobstwiesen. "Alte Obstbaumbestände bieten durch ihren hohen Anteil an Totholz und Höhlen wertvollen Lebensraum für viele Tierarten", führt Erlacher aus. Voraussetzung für diese reichhaltige Lebenswelt ist der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden.

Broschüre mit Tipps für Wiesenbesitzer und -schützer

Die im Rahmen des Projektes entstandene Broschüre "Aktiv für Wiesen und Weiden" gibt wertvolle Praxistipps zur Bewirtschaftung und Pflege von Wild- und Waldwiesen. "Für einen gesunden Wald", so Erlacher, "ist Artenvielfalt lebensnotwendig." Auch für die Jagd erfüllen Wiesen wichtige Funktionen - als Lebensraum für Reh- und Rotwild oder als Wildbeobachtungsflächen. "Die Erhaltung dieser wichtigen Naturgüter", sagt der Vorstandssprecher, "ist uns ein großes Anliegen, daher setzen wir uns für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wild- und Waldwiesen ein."

Wiesen-Projekt im Nationpark Donau-Auen

Das Beispiel von den Wiesen im Biosphärenpark Wienerwald hat Schule gemacht: Aufgrund des erfolgreichen Pilotprojektes haben die Bundesforste im Nationalpark Donau-Auen gemeinsam mit der Nationalpark Donau-Auen GmbH, dem Naturschutzbund NÖ und der Stadt Wien (MA 49) ein weiteres Wiesen-Projekt aufgesetzt. Dabei werden die Nationalpark-Wiesen untersucht, ein nach ökologischen Kriterien ausgerichteter Managementplan erstellt und Schutzmaßnahmen festgelegt. "Damit wir diese wertvollen Naturschätze auch für die nächsten Generationen schützen und erhalten können", meint Erlacher abschließend.

Die Broschüre kann bei den Österreichischen Bundesforsten unter Tel. 02231-633 41 oder per E-Mail an biosphaerenpark@bundesforste.at kostenfrei angefordert werden und steht auf der Webseite der Bundesforste zum Download zur Verfügung.

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Pressefotos und Broschüre unter www.bundesforste.at

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