WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Besser, wir gewöhnen uns daran - von Hans Weitmayr

Für die Zeit nach der Griechenland-Pleite gehört ein Plan A auf den Tisch

Wien (OTS) - Griechenland pleite. Nach wie vor eine erschreckende, ungewohnte Option - und deshalb für viele denkunmöglich. Ähnlich wie zu den akutesten Zeiten der Finanzkrise wird zwar viel und laut über die schlimmstmöglichen Szenarien nachgedacht, wirklich danach gehandelt wurde damals wie heute jedoch nur von den wenigsten.

Bei Griechenland liegt der Fall jedoch anders. Der schlimmste Fall -also eine Staatspleite - erscheint längst nicht so dramatisch wie eine Wiederholung der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Somit ist die Eintrittswahrscheinlichkeit einer griechischen Staatspleite wahrscheinlicher als ein globaler Finanzkollaps - alleine weil ein Angehen der Probleme diesmal nicht ganz so dringlich erscheint. Das sieht man im Fall Deutschlands, wo das Bankenrettungspaket zügigst umgesetzt wurde, die Zusicherung eines griechischen Hilfspakets jedoch aufgrund einer anstehenden Regionalwahl auf die lange Bank geschoben wird. Wobei selbst für den Fall, dass sich Deutschland noch zur Bereitstellung der nötigen Mittel durchringt, die Möglichkeit besteht, dass einzelne Euro-Länder ihren Anteil nicht schultern wollen. Schert eine Regierung aus, ist das ganze Rettungsprojekt so gut wie gekippt.

Dazu kommt das schiere Volumen der benötigten Gelder. Mehr als 80 Milliarden Euro muss Griechenland in diesem Jahr refinanzieren, und der Markt zeigt keinerlei Anstalten, die Risikoprämien auszupreisen. Das heißt, mit jeder Woche wird die Aufnahme von Geldern über den Finanzmarkt teurer.

Zu guter Letzt sind die Bedingungen für eine Staatspleite auch schneller erfüllt, als viele glauben. Es genügt, wenn für einen einzigen Bond eine teilweise, von den Gläubigern nicht akzeptierte Zahlungsunfähigkeit eintritt - selbst, wenn es sich nur um eine mickrige Milliarde handelt. Was dann folgt, ist eine Explosion der Risikoaufschläge, die ein Anzapfen der Anleihenmärkte verunmöglicht. Griechenland wäre vom internationalen Geldstrom ausgeschlossen und würde in einem noch viel höheren Ausmaß von Notkrediten abhängen.

Vor diesem Hintergrund muss laut ausgesprochen werden:Die Pleite Griechenlands ist möglich. Vielleicht sogar wahrscheinlich. Dass wir uns an diesen Gedanken gewöhnen, ist wichtig, damit die zuständigen Politiker wenigstens ein Mal in der jüngeren Geschichte aktiv an ein Problem herangehen, anstatt im Nachhinein, meist viel zu spät und viel zu diletttantisch, Schadensbegrenzung zu üben. Für die Bewältigung der Griechenland-Pleite gehört also ein Plan A auf den Tisch. Jetzt.

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