"DER STANDARD"-Kommentar: "Im Weihrauchnebel" von Gudrun Springer

Ratzingers Rolle im Fall Groer.(ET 28.04.2010)

Wien (OTS) - Wieder ein Fall aus der Vergangenheit, der den Papst
in Erklärungsnot bringt. Kardinal Groer blieb also auch nach Bekanntwerden seiner Vergehen Mitglied wichtiger vatikanischer Gremien. Das rückt Joseph Ratzinger, damals ein enger Vertrauter von Johannes Paul II., nicht gerade ins beste Licht.

Da hilft es auch wenig, wenn Kardinal Schönborn ihn in Schutz nimmt:
Ratzinger habe sich im Vatikan gerade im Fall Groer für eine Untersuchungskommission eingesetzt, die aber von anderen verhindert worden sei. Wenn dem so ist, wer sind denn diese anderen? Was haben sie womöglich sonst noch so unter den Teppich gekehrt? Wenn Ratzinger sich nichts zuschulden kommen hat lassen, warum geht der Vatikan dann so spärlich mit Informationen um?

Anstatt aktiv transparent zu agieren, lässt man sich in der Informationspolitik offenbar lieber von an die Öffentlichkeit gelangten (Geheim-)Dokumenten vorantreiben. Das erweckt den Eindruck, dass man nicht will, dass sich die Nebel ganz lichten. Die von Waltraud Klasnic diese Woche in Wien vorgestellte, von der Kirche initiierte Kommission muss daher umso gründlicher arbeiten und -unter Wahrung der Opferrechte _- so transparent wie möglich. Sie darf nicht davor zurückschrecken, etwaige Systemfehler, die sich durch Aufarbeitung der Einzelfälle zeigen könnten, aufzuzeigen. Gerade weil das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche genau das bis dato verabsäumt hat.

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