Vom Sinn "künstlicher Tränen" oder Kontaktlinsenbenetzungsmitteln

Wien (OTS) - Das Gefühl trockener Augen ist ein unangenehmes. Kommt, vor allem bei weichen Kontaktlinsen, noch ein unangenehmes Tragegefühl hinzu, neigen wir leichter dazu uns ETWAS in die Augen zu tropfen. Es ist wichtig, so Landesinnungsmeister Anton Koller, dieses ETWAS nun näher zu betrachten. Ein Tränenersatzmittel sind apothekenpflichtige Arzneimittel, die verordnet werden. Kontaktlinsenbenetzungsmittel, die im Wesentlichen dieselbe Zusammensetzung haben, sind beim Kontaktlinsenoptiker und Optometristen erhältlich.

Wie sind Tränenersatz- und/oder Kontaktlinsenbenetzungsmittel zusammengesetzt?

Beide Produktgruppen enthalten zu 90 Prozent destilliertes Wasser, etwa 9 Prozent Kochsalz und eventuelle Zusätze, die die Gleitwirkung verbessern. Um den Sinn und Zweck dieser Produktgruppen zu verstehen, ist ein Ausflug in die Tränenphysiologie notwendig:
Die Tränendrüse produziert den wässrigen Anteil, die Tränen. Beim Zusammendrücken der Lider, dem Lidschlag, werden die Tränen aus der Drüse quasi herausgewunden und in einer Art Scheibenwischereffekt auf dem Auge und der Hornhaut verteilt. Zusätzlich gibt es noch Tränenbecherzellen, die Schleimstoffe, sogenannte Muzine ausschütten. Ihre Aufgabe besteht darin, eine Verbindung zwischen der Hornhaut und der wässrigen Tränenflüssigkeit herzustellen. Zusätzlich produzieren die in den Lidkanten befindlichen Meibomschen Drüsen Lipide. Diese bilden eine ölige Schicht über den wässrigen Tränenfilm, um die Verdunstung des Tränenwassers zu verhindern.

Was passiert bei der Verwendung von Tränenersatz- und/oder Kontaktlinsenbenetzungsmitteln?

Wenn nun "künstliche Tränen" in die Augen kommen, wird der vor der Austrocknung schützende Lipidfilm weggewaschen. Die Tränen verdunsten rascher und das unerwünschte Trockenheitsgefühl wird früher als erwartet spürbar. Denn der schützende Libidfilm braucht, je nach Zusammensetzung der "künstlichen Tränen" oder des Benetzungsmittels bis zu drei Stunden, um sich zu regenerieren. Selten erwähnt wird, so Anton Koller, dass die Tränen ein Blutderivat sind und dementsprechende Eigenschaften haben.

Tränen sind ein Blutderivat

Die Wissenschaft, die sich mit Reibung und Gleitfähigkeit befasst, unterscheidet zwischen so genannten "Newtonsche Fluiden", wie z. B. Wasser und "Nicht-Newtonschen Fluiden", wie z.B. Blut oder die Tränen. Während der rein wässrige Anteil ein "Newtonsches Fluid" ist, macht die Kombination der Tränen mit der Lipidschicht die Tränen zu einem "Nicht-Newtonschen" Fluid mit speziellen, pseudoplastischen (strukturviskosen) Eigenschaften. Hier sinken die Scherkräfte mit der Bewegung, ähnlich wie bei hochtechnologischen Schmierstoffen. Untersuchungen haben gezeigt, dass manche den Benetzungsmitteln beigegebenen Hilfsstoffe diese Eigenschaften nicht haben. So bestätigt ein Versuch italienischer Studenten, dass Wasser mit Stärke vermengt bei eintretender Bewegung die Scherkräfte erhöht, was für die Tränenfunktion unerwünscht wäre.

Hyaluronsäurehältige Tränenersatz- und Kontaktlinsenbenetzungsmittel

Studien bestätigen die hervorragenden Eigenschaften hyaluronsäurehältiger Tränensubstitute und Kontaktlinsenbenetzungsmittel hinsichtlich Komfort, Verweildauer und Pseudoplastizität. Denn die Hyaluronsäure findet sich z.B. auch in unserem Glaskörper, in dem Bindegewebe, in der Gelenksflüssigkeit und Haut als körpereigene Substanz mit hoher Wasserbindungskapazität. Eine Voraussetzung für die Bildung eines lange anhaltenden Flüssigkeitsfilms.

Rückfragen & Kontakt:

Anton Koller, MSc. Clinical Optometry, Landesinnungsmeister
Landesinnung Wien der Augenoptiker und Hörakustiker
Tel.: 01/51450-2208

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