Falter: Verfassungsschutz bezichtigt Tschetscheniens Präsident Kadyrow des Mordes

Ramsan Kadyrow habe "definitiven Tötungsauftrag" erteilt und Geheimdienst in Wien errichtet

Wien (OTS) - Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung beschuldigt den tschetschenischen Präsidenten RamsamKadyrow des Mordes. Das berichtet die Wiener Stadtzeitung Falter unter Hinweis auf einen streng vertraulichen Abschlussbericht des Verfassungsschutzes an die Staatsanwaltschaft. Das Dokument liegt dem Falter exklusiv vor.

Kadyrow, Wladimir Putins despotischer Statthalter in Tschetschenien, soll den Wiener Mordanschlag an Umar Israilov, 27, höchst persönlich in Auftrag gegeben haben, so die Ermittler in dem Dokument. "Es ist davon auszugehen", so der Verfassungsschutz , dass die Ermordung Israilovs "tatsächlich von oberster Stelle (Kadyrow) angeordnet worden war". Der Präsident habe im Juni 2008 einem tschetschenischen Geheimagenten einen "definitiven Tötungsauftrag erteilt".

Der Fall könnte für enorme diplomatische Spannungen zwischen Russland und Österreich führen. Es ist das erste Mal, dass eine westeuropäische Anti-Terroreinheit einen Vertrauten des Kremls so massiv belastet.

Der tschetschenische Präsident, so die Polizei, habe in Wien auch einen geheimen militärischen Nachrichtendienst errichtet, der "direkt der Regierung der russischen Republik Tschetschenien untergeordnet ist". Ziel der "Kommandotruppe Österreich" sei es gewesen, "Informationen über in Österreich ansässige Asylwerber zu erlangen", um diese zu entführen oder zu "liquidieren". Kuriosum am Rande:
Kadyrow wird von der Wiener Polizei nun zur "Aufenthaltsermittlung" ausgeschrieben.

Eine zentrale Rolle in dem Kriminalfall spielte ein Tschetschene namens Otto Kaltenbrunner, der der "direkte Kontaktmann" Kadyrows in Wien gewesen sein soll. Kaltenbrunner sitzt in U-Haft und bestreitet die Tat. Die Polizei belastet ihn und zehn weitere Tschetschenen, den Mord aus politischen Gründen ausgeführt zu haben. Vor allem Telefonüberwachungen und die Hinweise von später ermordeten Kronzeugen brachten die Ermittler auf die Fährte einer konspirativ agierenden Truppe. Deren Tat, so halten die Ermittler fest, sei mit größter Wahrscheinlichkeit "politisch motiviert" gewesen. Innenministerin Maria Fekter hatte vergangenes Jahr noch von einer "Mafiafehde" gesprochen.

Umar Israilov war ein Kronzeuge gegen Kadyrow vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er arbeitete einst in seiner Leibgarde und will schwerste Folterungen Kadyrows beobachtet haben. Israilov musste kurzfristig für Kadyrow arbeiten, floh dann aber nach Wien, wo er als Flüchtling anerkannt wurde. Er bat das Innenministerium mehrmals um Personenschutz, da er "von hungrigen Killern" bedroht werde. Doch die Verfassungsschützer sahen noch wenige Tage vor dem Mord in Floridsdorf "keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung". Nun steht für die Ermittler fest, dass Israilov tatsächlich wochenlang von Killern ausspioniert worden war.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Florian Klenk
Stv. Chefredakteur Falter
Marc Aurelstraße 9, A-1011 Wien
Tel: +43-(0)676-4061106
klenk@falter.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FAT0001