ÖAMTC-Tunneltest: Tauerntunnel erst ab 2011 sicher

Clubexperte warnt: Vorerst keine Fluchtwege auf 6,4 km Länge

Wien (OTS) - Mehr als zehn Jahre nach der Brandkatastrophe vom 29. Mai 1999 wird am 30. April 2010 endlich die zweite Röhre des Tauerntunnels auf der Tauern Autobahn (A10) in Betrieb genommen. Aber noch mehr als ein Jahr, nämlich bis zum Juni 2011 muss in der neuen Röhre mit Gegenverkehr gefahren werden. "Der neue Tauerntunnel wurde vom ÖAMTC geprüft und erfüllt nahezu den höchstmöglichen Sicherheitsstandard", stellt Willy Matzke als europaweit tätiger Sicherheitsexperte des Clubs fest. Dieser hohe Sicherheitslevel wird allerdings erst im Juni 2011 erreicht sein, wenn nach der Totalrestaurierung auch die alte Tunnelröhre wieder zur Verfügung steht und es damit erstmals keinen gefährlichen Gegenverkehr mehr gibt. "Bis dahin erfüllt der Tauerntunnel die EU-Sicherheitsrichtlinien jedoch keinesfalls", warnt der ÖAMTC-Experte. "Es gibt nämlich im 6,4 km langen Tauerntunnel im Ernstfall kein Entrinnen, weil die Fluchtwege in die alte Röhre noch nicht durchgebrochen sind." Auch die Zufahrt für Rettungskräfte ist somit nur über die Tunnelportale möglich. Im Grunde genommen haben bereits alle modernen Asfinag-Tunnel in Österreich den hohen EU-Sicherheitsstandard, der erst ab 2019 gefordert wird. Sorgen bereiten dem ÖAMTC-Tunnelexperten vor allem die noch einröhrigen Tunnel mit Gegenverkehr, insbesonders der Gleinalmtunnel und der Karawankentunnel mit jeweils über acht Kilometern Länge. In den nächsten Jahren wird die Asfinag noch etliche Milliarden Euro investieren müssen, um in allen österreichischen Tunnel die Sicherheit auf EU-Standard zu bringen.

Die wichtigsten ÖAMTC-Tunneltipps

Wie man aus der Erfahrung mit dem baugleichen Katschbergtunnel weiß, ist Panikmache Fehl am Platz, solange sich die Autofahrer im Ernstfall richtig verhalten.

  • Auslöser für Unfälle mit fatalen Folgen sind in den meisten Fällen die Autofahrer selbst. Die ÖAMTC-Tunneltester haben festgestellt, dass der Sicherheitsabstand vor allem von Lkw so gut wie nie eingehalten wird.
  • Autos bei Pannen, Unfall oder Brand immer nur in der Pannenbucht oder am rechten Fahrbahnrand abstellen, sonst kommen die Einsatzkräfte nicht vorbei.
  • Immer darauf gefasst sein, dass man das Auto verlassen muss, wenn ein Brand ausbricht. "Alle Wertsachen samt Autopapieren und Handy sollten daher in einem Rucksack griffbereit liegen", rät der ÖAMTC-Experte. "Und keinesfalls andere Passagiere, besonders Kinder oder Tiere im Auto vergessen." Beim Verlassen des Fahrzeuges muss der Autoschlüssel im Zündschloss stecken bleiben, weil sich viele Autos sonst von selbst versperren und die Lenkradsperren das Verschieben des Fahrzeugs durch Einsatzkräfte verhindern.
  • Niemals über Handy, sondern über ein alle 150 m vorhandenes Nottelefon Alarm schlagen. Nur so gelangt man direkt in die Alarmzentrale, die rund um die Uhr von mindestens zwei Sicherheitsexperten besetzt ist.
  • Bei etwaigen Bränden sollte umgehend ein Löschversuch gestartet werden. "Bei jedem Nottelefon sind zwei große Feuerlöscher mit zusammen 15 kg Löschmittel vorhanden", erläutert der ÖAMTC-Tunnelexperte. "In den Pannenbuchten alle 850 m gibt es obendrein in Glaskästen Löschschläuche, die, wie ein Gartenschlauch, von jedermann bedienbar sind. Damit können sogar Lkw oder Busse gelöscht werden."

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