"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Erbe des Sonnenkönigs"

Kreisky imponiert bis heute - selbst wenn man ihn nie erlebt hat.

Wien (OTS) - Kreisky. Die erste Erinnerung an den großen Namen ist wenig staatstragend: Ein alter Campingbus, der am Straßenrand parkt. Ein Juli-Abend 1990, Sommerurlaub. Die Eltern hören im Autoradio eine Meldung, die sie anhalten lässt: Kreisky ist tot.
40 Jahre sind seit der Angelobung vom ersten Kabinett des Sonnenkönigs vergangen, als 1977 Geborener fragt man sich: Was hat die Generation der heute 30-Jährigen von der fernen Ära? Werden Kreisky und seine Errungenschaften nicht überhöht, ja verklärt? Wohl kaum.
Homosexualität und Abtreibung - bis dahin als Verbrechen stigmatisiert - ließ Kreisky legalisieren.
Und auch wenn es heute selbstverständlich anmutet, dass etwa uneheliche Kinder vor dem Gesetz gleich viel zählen wie in einer Ehe geborene oder dass Frauen nicht vom Wohlwollen ihrer Ehemänner abhängig sein dürfen: Erst Kreisky goss dieses Menschenbild in Gesetze.
Nun könnte man einwenden: Was ist so besonders daran? Der Kanzler ist halt mit der Zeit gegangen.
Doch bei Kreisky scheint die Sache anders. Er stand für eine Politik, die vermitteln konnte, wie eine bessere Gesellschaft aussieht. Kreisky hatte und verkörperte Visionen. Und diese Leistung muss man würdigen - selbst wenn man seine Positionen nicht teilen mag.

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