Niedrige Staatsverschuldung und geringe Steuern: Schweiz Vorbild bei Krisenbewältigung

WKÖ: Hochkarätige Podiumsdiskussion zieht wirtschaftspoltische Vergleiche zwischen Österreich u. Schweiz- Leitl: Wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder enger denn je

Wien (OTS/PWK317) - "Die traditionell freundschaftliche
Beziehung und die hervorragende ökonomische Zusammenarbeit mit unserem Nachbarland Schweiz sind, gerade in den momentan wirtschaftlich schwierigen Zeiten, eng wie nie", eröffnete WKÖ-Präsident Christoph Leitl gestern Montag in der Skylounge der Wirtschaftskammer Österreich die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion "Österreich - Schweiz -Zwei wirtschaftspolitische Strategien: Welche Wege führen aus der Krise?", die gemeinsam mit der Schweizerischen Botschaft in Wien organisiert wurde. Vor 150 Besuchern aus beiden Ländern debattierten Aymo Brunnetti, Direktor für Wirtschaftspolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern, Bernhard Felderer, Direktor des Institutes für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung (IHS) in Wien, Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender der KTM-Sportmotorcycle AG sowie Patrick Rusch von der Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein unter der Leitung von Charles Ritterband von der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).

Rund 10 Mrd. Euro Handelsvolumen und ca. 50 Mrd. gegenseitigen Investition verbinden die Nachbarländer ebenso wie die gemeinsame Sprache und die Neutralität, betonte der Schweizer Botschafter Oscar Knapp, der sich ebenso wie Leitl für eine Fortführung und Pflege der außerordentlichen Beziehung auf politischer und wirtschaftlicher Ebene aussprach.

"Die Schweiz hat, nach schwierigen wirtschaftlichen Zeiten in den 1990-er-Jahren mit hoher Staatsverschuldung, ihre Wirtschaftspolitik durch strukturelle Reformen neu ausgerichtet", erklärte Brunnetti in seiner Keynote-Speech. Vor allem eine Reihe von wachstumspolitischen Maßnahmen und finanzpolitischen Anpassungen, etwa eine intelligente Schuldenbremse, hätten in den vergangenen 10 Jahren zu einer ermutigenden Entwicklung geführt, so Brunnetti. Auch wenn sich die Schweiz durchaus vor mittel- und langfristigen Herausforderungen befände, wie etwa der Abschaffung des Bankengeheimnisses, sei die Krise für die Schweiz vergleichsweise glimpflich verlaufen. Einen Beitritt zur Europäischen Union in den kommenden 15 Jahren hält Brunnetti aus wirtschaftlicher und politischer Sicht weder für notwendig noch realisierbar.

Besser als Österreich hat sich die Schweiz in den Krisenjahren 2008 und 2009 behauptet. Einen Grund dafür, sieht Felderer in der Exportwirtschaft, die 2009 in Österreich um 19,9 Prozent auf 94,2 Mrd. Euro schrumpfte, in der Schweiz um 14,7 Prozent auf 119,4 Mrd. Euro. "Ein Drittel der Schweizer Exporte sind medizinischen Produkten, die als krisenfest gelten, zuzurechnen während in Österreich ein Großteil der Exporte aus bearbeiteten Waren und Maschinen besteht", begründete Felderer. Dadurch sei auch die Wertschöpfung in Österreich selbst niedriger.

Österreich müsse im Pensionssystem, bei der Verwaltung und in der Bundesstaatsreform viel konsequenter auf Veränderung und nachhaltige Korrekturen setzten, forderte der IHS-Chef und Vorsitzender des Staatsschuldenausschusses mit Nachdruck. Hier bestehe dringend Handlungsbedarf. Das Föderalismus-Verständnis der Bundesländer beschränke die Innovationsfähigkeit nachteilig. Für den Bankenbereich hält er ein branchenspezifisches Insolvenzrecht für notwendig.

"Wir haben ein Vielzahl an Nischen-Weltmeistern, die in Österreich positive wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorfinden, die es - im Gegensatz zu Deutschland - zugelassen haben, in der Krise die notwendigen Anpassungsschritte und Neuausrichtung vorzunehmen", führte Stefan Pierer aus. Aus Sicht des KTM Vorstandes scheint nach den Einbrüchen im vergangenen Jahr nun "ein Boden gefunden, der eine gewisse Festigkeit aufweist". "Jene Unternehmen, die die Krise bewältigen, werden gestärkt aus ihr hervorgehen", zeigt sich Pierer überzeugt. Was in Österreich - im Gegensatz zur Schweiz - aber fehle, sei der Zugang kleiner und mittelgroßer Unternehmen zum Kapitalmarkt.

Einig zeigten sich alle Teilnehmer darüber, dass die im Vergleich zur Schweiz extrem hohe Abgabenquote in Österreich nur durch eine konsequente Verwaltungsreform in den Griff zu kriegen sei. Konsens bestand auch darüber, dass für die globalen Finanzmärkte nicht wie bisher einer rein nationale oder kontinentale, sondern globale Rahmenbedingungen gelten müssten. Wenn die Finanzströme das 100-fache der Warnströme übertreffen, sei das bedenklich, mahnte Leitl aus der Krise deutliche Lehren zu ziehen. So wie sich die Wirtschaft mit Corporate Social Responsibility (CSR) in Werthaltungen einfüge, müsse sich auch die Finanzwirtschaft einfügen. (ES)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Elisabeth Salzer
Tel.: T:(+43) 0590 900-3400, F:(+43) 0590 900-263
elisabeth.salzer@wko.at
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0009