WKÖ-Hochhauser: Flugausfälle sind aus Wirtschaftssicht kein Grund für Panik

Umsatzeinbußen nur bei Sektoren mit direktem Konnex zur Flugindustrie - nun ist Faktor Zeit entscheidend - EU-Spielraum bei Beihilfen für Luftfahrt nützen

Wien (OTS/PWK315) - Die Flugausfälle der vergangenen Tage seien
aus Sicht der Wirtschaft "absolut kein Grund für Panik", betont die Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Anna Maria Hochhauser. "Natürlich bedeutete die Ausbreitung der Vulkanasche-Wolke über Europa auch für die österreichische Wirtschaft eine große Herausforderung. Von einem massiven gesamtwirtschaftlichen Einbruch kann aus heutiger Sicht aber keine Rede sein. Derzeit ist der Schaden überschaubar und das sollte auch so bleiben, nachdem die wichtigsten österreichischen Fluglinien praktisch wieder den Vollbetrieb aufgenommen haben und auch die Flugsperren im Rest Europas sukzessive gelockert werden", betont Hochhauser. Nach derzeitiger Schätzung der WKÖ wird das BIP im zweiten Quartal durch die bisherigen Flugfälle um rund 50 Millionen Euro, also einen Zehntelprozentpunkt, geringer ausfallen.

Tatsächlich werde nur ein Bruchteil des Gütertransports per Luftfracht abgewickelt. Luftfahrt-intensiv sind vor allem die Bereiche Zulieferung von Automobil-, Elektronik- und Hightech-Industrie sowie chemische Erzeugnisse (Medikamente) und manche verderbliche Waren.

Massiv von Umsatzeinbußen betroffen seien derzeit vor allem jene Sektoren, die in direktem Konnex mit der Luftfahrt stehen -insbesondere Luftfahrtunternehmen, Flughäfen und die Luftfahrtbehörde Austria Control. Summa summarum dürfte der Schaden hier einige Millionen Euro pro Trag betragen haben. Negative Folgen haben auch Speditionsunternehmen sowie die Reiseveranstalter zu verkraften, die "derzeit bis aufs Äußerste gefordert sind und mit großer Umsicht agieren, um ihren Kunden doch noch zu einem gelungenen Urlaubserlebnis zu verhelfen". Im normalen Lebensmittelhandel gibt es bis dato keine Auswirkungen. Der Großteil der Produkte aus Übersee wird mit Kühlschiffen und LKW geliefert.

Nach einer von der Fachgruppe Hotellerie Wien durchgeführten Blitzumfrage musste die Wiener Hotellerie über das Wochenende Belegungsrückgänge von ca. 10 Prozent hinnehmen (Verlängerungen mancher Gäste bereits berücksichtigt). Hochgerechnet auf ganz Österreich ergibt das Umsatzeinbußen von 5 bis 7 Millionen Euro. Vor allem Firmentagungen werden massiv storniert.

Auf der anderen Seite gibt es auch Gewinner wie grenzüberschreitende Buslinien, Mietwagenanbieter und die ÖBB, wo am Wochenende allein der Westbahnhof eine Umsatzverdoppelung einfahren konnte.

Hochhauser: "Klar ist, dass den unmittelbar betroffenen Luftfahrtunternehmen unter die Arme gegriffen werden muss, wenn sie aufgrund dieser Naturkatastrophe in existentielle Probleme geraten sollten." Die Ankündigung der EU-Kommission, bei der Prüfung von eventuell notwendigen staatlichen Beihilfen an die Airlines die aktuelle Sondersituation zu berücksichtigen und weniger streng vorzugehen, sei "absolut richtig und zu begrüßen. Brüssel hat hier -nach einer Schreckensminute - angemessen reagiert". Dieser Spielraum müsse von der österreichischen Regierung im Falle des Falles ungeachtet der angepeilten Budgetsanierung auch wirklich genutzt werden, appelliert die WKÖ-Generalsekretärin.

Prinzipiell gelte: "Der Faktor Zeit entscheidet darüber, wie es nun wirtschaftlich weitergeht", so Hochhauser. "Geht die Öffnung des europäischen Luftraums nun Zug um Zug weiter, wird uns der isländische Vulkanausbruch als außergewöhnliches Ereignis in Erinnerung bleiben, dessen wirtschaftliche Konsequenzen sich aber -bis auf einige wenige Branchen - zum Glück in Grenzen halten." Sollte die Beeinträchtigung des europäischen und internationalen Luftraums dagegen noch länger anhalten, müssten für etliche Branchen Alternativszenarien etwa in der Logistik entwickelt werden. Dann muss es auch Hilfestellung der öffentlichen Hand für negativ betroffene Branchen geben. (SR/ES)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: T:(+43) 0590 900-4362, F:(+43) 0590 900-263
presse@wko.at
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0007