Schönborn: Benedikt XVI. bevorzugt den Weg behutsamer Reformen

Wiener Erzbischof in "Kathpress"-Interview zum fünfjährigen Pontifikatsjubiläum: Papst ging von Anfang an entschieden gegen Missbrauchsfälle vor

Wien, 18.04.10 (KAP) Papst Benedikt XVI. bevorzugt den Weg der behutsamen Reformen in der Kirche. Das sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, in einem "Kathpress"-Interview aus Anlass des fünften Jahrestages der Wahl Benedikts XVI., der am Montag begangen wird. "Ich glaube, es gibt kaum jemanden in der Kirche, der eine so differenzierte und präzise Wahrnehmung hat von vielem, was sich in der Kirche weltweit tut", stellte der Wiener Erzbischof fest. Der Papst wisse auch "sehr genau Bescheid", wo die Schwachstellen in der Kurie und in seiner engeren Umgebung sind und dass eine Kurienreform notwendig sei.

Er sei aber nicht jemand, der energisch durchgreift: "Es war immer schon so, dass er einen sehr behutsamen Weg geht, nicht drastische Maßnahmen setzt, außer in ganz dramatischen Fällen." Zu diesen Ausnahmen zählen, wie Kardinal Schönborn betonte, die Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche, wo Benedikt XVI. mit großer "Entschiedenheit und Klarheit gehandelt hat".

Schönborn verwies auch auf den Brief Benedikts XVI. zur Missbrauchscausa an die Kirche von Irland. Man könne kaum "deutlicher, direkter, betroffener darüber sprechen, als es der Papst in diesem Brief getan hat", hob der Kardinal hervor. Benedikt XVI. habe daran deutlich gemacht, wie tief Missbrauch im Bereich der Kirche das Bild eines liebenden und barmherzigen Gottes zerstört. Der Papst spreche von den tiefen Verletzungen bei den Opfern, "die in das Innerste des Glaubens hineinreichen".

Daher sei Missbrauch in der Kirche "noch einmal etwas Schlimmeres" ist als der zweifellos leider vorhandene Missbrauch in anderen Bereichen der Gesellschaft. "In der Kirche ist im Missbrauch eine Schwere, die es rechtfertigt, besonders kritisch auf die Kirche hinzuschauen, das hat der Papst sehr deutlich gemacht", so Schönborn.

Generell würdigte der Wiener Erzbischof die Klarheit, mit der Benedikt XVI. Themen und Probleme anspreche. Das gelte auch im Blick auf die Pannen, die es in dem Pontifikat auch gegeben habe. Er habe wie kaum ein Papst vor ihm öffentlich über diese Pannen gesprochen und sie klar und nüchtern beschrieben.

Hinweis: O-Töne des Interviews sind auf www.katholisch.at abrufbar.

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