"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Neue Kraftwerke, lange Leitungen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 16.04.2010

Wien (OTS) - Wer ja sagt zu Klimaschutz und Ökostrom, muss auch ja sagen zu neuen Wasser- oder Windkraftwerken und zu Hochspannungsleitungen zum Transport der Energie. Da führt kein Weg vorbei: Je mehr Strom aus Windkraft- oder Solaranlagen kommt, desto stärker muss quer über den Kontinent das Leitungsnetz sein. Ohne Hochspannungsleitungen sitzen die Verbraucher im Finstern, wenn die Sonne nicht scheint oder Windstille herrscht.

Neben Windrädern sind Wasserkraftwerke die wohl umweltfreundlichste Form der Energiegewinnung. Zusätzliche Anlagen sind daher ein Gebot der Stunde. So genannte Umweltschützer sehen das anders: Von hundert derzeit in Planung befindlichen Wasserkraftwerken liege jedes zweite in einem "ökologisch sensiblen Gebiet", befindet der Umweltdachverband und ruft Brüssel zu Hilfe: "Zum Glück haben wir die Europäische Union, die ist unser Verbündeter."

Wie der Hase läuft, hat diese Woche die Besetzung eines ÖBB-Gebäudes in Wien gezeigt: "Wegen ein paar wenigen Kilowattstunden" zahle es sich nicht aus, das ÖBB-Kraftwerk Spullersee in Vorarlberg zu erweitern, befindet Greenpeace unter dem Beifall der "Grünen". Dabei geht es ihnen nicht um die fragwürdige Enteignung von Bauern, sondern um den Lech als "Flussheiligtum".

Der Ende März beschlossene österreichische "Masterplan Wasserkraft" sieht den Ausbau von sieben Milliarden Kilowattstunden bis 2020 vor; das ist gut die Hälfte des Gesamtpotenzials von 13 Milliarden. Hohe (und entsprechend teure) Auflagen sichern die Umweltverträglichkeit.

Energiesparen und die Verbesserung der Energieeffizienz beispielsweise durch thermische Sanierung sind notwendige und sinnvolle Maßnahmen. Sie werden aber nicht genügen, um den steigenden Bedarf zu decken.

Die Alternative zum ökologisch und ökonomisch verantwortungsbewussten Ausbau der Wasserkraft und zur Errichtung der gleichfalls oft heftig umstrittenen Hochspannungsleitungen wäre der zusätzliche Import von Atomstrom aus grenznahen Kraftwerken. Ob das eine attraktive Variante ist, sollten die professionellen Verhinderer und Protestierer gründlich überlegen.

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