"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Echtheitstest"

Der Kanzler muss beweisen, dass seine Kantigkeit nicht nur Taktik ist.

Wien (OTS) - Ja keine Wickel mit der ÖVP. Das war von Beginn
seiner Kanzlerschaft an Werner Faymanns Devise. Zum Leidwesen vieler Roter hielt er sich daran. Faymann sei das Wohlwollen des Koalitionspartners wichtiger als sozialdemokratische Grundsätze; nicht er, sondern sein ÖVP-Vize Josef Pröll führe die Regierung. Kein Wunder, dass sich immer mehr Sympathisanten von der Partei abwenden, klagten Funktionäre.
Nun ist das anders. Faymann zeigt Konturen. Er gibt den Macher ("Echtheitstest für die Steuerpläne") und den Parade-Sozialisten (Motto: "Schröpft die Reichen"). Und er attackiert die ÖVP ("Nur Überschriften").
Ein bemerkenswerter Sinneswandel. Als der steirische Landeshauptmann Franz Voves im Vorjahr Vermögenssteuern begehrte, pfiff ihn Faymann zurück; das stehe nicht zur Debatte.
Nach einer Serie von Wahlniederlagen hat der SPÖ-Chef wohl erkannt, dass er seine Linie ändern muss, um die Genossen nicht noch mehr zu vergrätzen. Im Juni ist Parteitag. Dort soll dem Vorsitzenden applaudiert, nicht mit ihm abgerechnet werden.
Dass die Kantigkeit nicht nur Taktik ist, muss der Kanzler erst beweisen. Bei einem "Echtheitstest": Kann er das, was er fordert, in der Regierung auch umsetzen?

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