"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Der Nicht-Wahlkampf"

Für ein echtes Rennen um die Hofburg bräuchte man zumindest echte Gegner.

Wien (OTS) - Im Fernsehen sieht man Diskussionsrunden mit Parteisprechern, Sekretären und Ex-Sekretären.
Die Kandidaten werden vor laufender Kamera von Schülern befragt. Auch in vielen Printmedien steigt von Tag zu Tag der Erregungsgrad im sogenannten "Rennen um die Hofburg". Fast hat man den Eindruck, als würde so etwas Ähnliches wie ein echter Wahlkampf stattfinden. Dabei fehlen dafür zentrale Parameter. Aber in unserer superlativischen Zeit, in der heute alles größer sein muss als gestern, ist das richtige Augenmaß längst verloren. Für ein Match um die Hofburg bräuchte man: Zumindest zwei Kandidaten, die Siegeschancen haben; klare Spielregeln, also seriöse Themen, die es zu debattieren gilt, und nicht nur Ablehnungshaltungen; und Hochspannung bis zum Schluss. All das ist nicht gegeben.
Verglichen mit dem Sport ist diese Wahl kein Champions-League-Spiel und nicht einmal eines der Landesmeisterschaft. Im Maximalfall ein Cup-Match, bei dem jemand aus der Ersten Liga gegen einen Drittligisten antritt (auch wenn es da schon Überraschungen gegeben hat). Hoffentlich gehen am Tag des Spiels mehr Menschen hin als nur die Hard-Core-Fans. Das zu erreichen, ist der eigentliche Sinn dieses Nicht-Wahlkampfes.

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