Glaser: Entwicklungsländer brauchen eigenständige Landwirtschaft

Neue Abhängigkeiten eindämmen - Ernährung der eigenen Bevölkerung muss im Mittelpunkt stehen

Wien (OTS/ÖVP-PK) - "Die zunehmenden Konzentrationsprozesse beim Besitz von landwirtschaftlichem Grund und Boden schaffen in vielen Ländern der Erde enorme Probleme. Für die eigenständige nachhaltige Entwicklung und Versorgung mit Nahrungsmitteln bringen Monopolisierung und wirtschaftliche Abhängigkeiten neue Risken mit sich. Der verantwortungsvolle Umgang mit landwirtschaftlichen Ressourcen bleibt daher eine Kernaufgabe der internationalen Entwicklungspolitik." Davon zeigte sich Abg. Franz Glaser, ÖVP-Sprecher für Entwicklungszusammenarbeit und Vorsitzender des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE), bei der Konferenz "Die neue grüne Revolution in Afrika" gestern, Mittwochabend, in Wien überzeugt. ****

Afrika ist Glasers Meinung nach besonders exponiert. "Um Grund und Boden hat ein regelrechter Wettlauf eingesetzt. Aber dass die von den neuen Eigentümern vorgenommene intensivere Bewirtschaftung zur Bekämpfung des Hungers dient, ist zu bezweifeln. Außerdem versuchen multinationale Saatgut-, Düngemittel- und Chemieunternehmen, die Abhängigkeit von Bauern und ganzen Staaten gezielt zu erhöhen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Kleinbauern, die lokale Bevölkerung und die Umwelt zu den Verlierern dieser Entwicklung zählen. In der Folge sind die Zerstörung von Produktions- und Lebensgrundlagen, zunehmende Landflucht und die Entleerung ländlicher Räume zu befürchten", warnte Glaser.

Voraussetzung für die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Lebensmitteln auch in den Zentren seien agrarische Strukturen. "Es braucht entsprechende landwirtschaftliche Beratung, funktionierende Markteinrichtungen, den Zugang zu Betriebsmitteln und die notwendige Infrastruktur", fasste Glaser zusammen. Auch das Engagement Österreichs in seinen entwicklungspolitischen Partnerländern sollte den Aufbau dieser agrarischen Strukturen unterstützen.

"Eine funktionierende Landwirtschaft ist die Basis für Ernährungssouveränität und Unabhängigkeit. Aber auch andere politische Faktoren wie demokratische Verhältnisse und politische Stabilität spielen für die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln und für selbstbestimmte nachhaltige Entwicklungen eine entscheidende Rolle", betonte Glaser.

Bei der Diskussion "Die neue grüne Revolution in Afrika" erörterten Fachleute die Zusammenhänge von Weltagrarhandel, Hunger, "neuem" Kolonialismus und Armut. Der Veranstaltung schließt sich eine Fachtagung des IUFE mit dem Titel "Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ernährungssouveränität" an, die heute, Donnerstag, in Wien stattfindet.
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