• 14.04.2010, 11:35:25
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AKNÖ-Studie: Emotionale Erschöpfung und 14-Stunden-Tage belasten nicht-ärztliche Gesundheitsberufe

Vizepräsidentin Brigitte Adler: "Sehe Qualität der Gesundheitsversorgung gefährdet"

Wien (OTS/AKNÖ) - Die Niederösterreichische Arbeiterkammer
präsentierte am Mittwoch eine Studie zur Lage der nicht-ärztlichen
Gesundheitsberufe. Danach gab jede/r Fünfte an, "emotional erschöpft"
zu sein. Für 27 Prozent dauert ein Arbeitstag zwischen 12 und 14
Stunden. AKNÖ-Vizepräsidentin DGKS Adler: "Diese Alarmzeichen dürfen
nicht übersehen werden. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, sehe
ich die Qualität der Gesundheits-versorgung, vor allem auch die
Gesundheit der Beschäftigten, gefährdet." Die Zukunftsbranche
Gesundheitswesen klagt bereits jetzt über Nachwuchsmangel. Adler:
"Wir steuern auf einen neuen Pflegenotstand zu, wenn es nicht zu
einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen kommt."

Die Niederösterreichische Arbeiterkammer befragte im Herbst 2009 rund
33.000 Beschäftigte in den Gesundheitsberufen (Arztangestellte,
PflegehelferInnen, Spitalsbedienstete und die Beschäftigten in den
mobilen Diensten) zu ihren Arbeitsbedingungen und dem beruflichen und
familiären Umfeld:

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
? 54 % der Beschäftigten arbeiten mehr als 8 Stunden,
? 27 % zwischen 12 und 14 Stunden, 2 % mehr als 14 Stunden pro
Arbeitstag.
? Obwohl nur 1 % der Beschäftigten eine vertragliche Arbeitszeit von
mehr als 40 Stunden vereinbart haben, arbeitet jede/r Fünfte länger
als 40 Stunden pro Woche.
? Jede/r Vierte möchte weniger Wochenstunden arbeiten.
? 22 % geben an, emotional erschöpft zu sein (Vorstufe zum Burn-out).
? 85 Prozent sind mit dem gewählten Beruf sehr zufrieden oder
zufrieden.

AKNÖ-Vize Adler: Zufriedenheit mit dem Beruf, aber Überlastung im
Beruf
"Nur eine Minderheit würde einen anderen Beruf wählen, die
überwiegende Mehrheit übt den Beruf mit Freude und Überzeugung aus",
sagte AKNÖ-Vizepräsidentin DGKS Brigitte Adler, "die
Mehrfachbelastungen machen allerdings schwer zu schaffen". So gibt
fast jede/r Zehnte an, durch Infektionen gefährdet zu sein, jede/r
Fünfte klagt über Beschwerden beim Heben und Tragen und jede/r Vierte
sieht sich mit Ansprüchen von PatientInnen konfrontiert, die sie als
Pflegepersonen überfordern. "Bei 15 % ist es im Zuge der
Berufsausübung zu verbalen Übergriffen gekommen", weist Adler darauf
hin, dass Krankenpflegepersonen oft auch als Zielscheibe für
aggressive Patienten oder Angehörige herhalten müssen.

Überdurchschnittlich hohes Ausbildungsniveau, viele
Zusatzqualifikationen

Über ein Drittel der Befragten gab an, neben dem Berufsabschluss eine
Zusatzausbildung absolviert zu haben. 8 % verfügen über zusätzliche
FH- oder Universitäts-Ausbildung. Sehr viele Doppelqualifikationen
zeigen die hohe Leistungs- und Lernbereitschaft der nicht-ärztlichen
Gesundheitsberufe.

58 % haben zwei oder mehr Kinder, 18 % haben drei, vier oder
fünf Kinder

78 % aller Beschäftigten im Gesundheitswesen sind Eltern, davon haben
20 % ein Kind, 39 % zwei Kinder, 58 % zwei oder mehr Kinder und 18 %
müssen für drei oder mehr Kinder sorgen. Jede/r zweite Beschäftigte
hat Kinder im schulpflichtigen Alter.
"Die vor allem weiblichen Beschäftigten müssen sich zwischen Beruf
und Familienarbeit förmlich zerreißen, wenn zusätzliche Unterstützung
ausbleibt", weist AKNÖ-Vize Brigitte Adler auf das Zusammentreffen
von überlangen Arbeitstagen, Wochenendarbeit und die intensive
Beanspruchung durch Kinderbetreuung und Familienarbeit hin.
Jeder vierte neue Arbeitsplatz entsteht im Gesundheitswesen. Schon
jetzt gibt es in Österreich rund 6.000 nicht besetzte Stellen im
Pflegebereich. Um die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe attraktiver
zu machen, fordert die Niederösterreichische Arbeiterkammer:

1. Das Alarmsignal der vielen emotional Erschöpften muss gehört
werden. Die hohe emotionale Belastung muss durch regelmäßige
Supervisionsangebote dringend verringert werden.
2. Neue Berufsfelder erschließen: Die Mehrfachqualifikation der
Beschäftigten bietet beste Voraussetzungen neue Berufsfelder in der
Gesundheitspflege (Gemeindeschwestern, Familiengesundheitsbetreuung
u. ä.) zu eröffnen. Insbesondere soll die Pflegegeldeinstufung in §
14 des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes ausdrücklich aufgezählt
werden.
3. Mit den Arbeitgebern gemeinsame Lösungen suchen: Die AKNÖ bietet
den Dienstgebern in Niederösterreich an, gemeinsam die
Arbeitsbedingungen in den Gesundheitsdiensten zu verbessern.
4. Mehr Arbeitsverdichtung geht nicht mehr. Weil die Neuaufnahmen von
PatientInnen bei gleichbleibenden oder sogar sinkenden
Personalständen ständig gestiegen sind, haben sich auch die besonders
arbeitsintensiven Arbeitstage erhöht.
5. Die Arbeitsplätze sind nach dem Arbeitnehmerschutzgesetz zu
evaluieren und auf mögliche Arbeitserleichterungen zu prüfen. Hier
liegt eine Bringschuld des Dienstgebers vor.

Rückfragehinweis:
Dr. Bernhard Rupp, MBA, Abteilungsleiter Gesundheitswesen und ArbeitnehmerInnenschutz der AKNÖ. Tel. 05-7171-1272.

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