"Die Presse" - UN-Kommissar kritisiert Österreichs Asylpraxis

Ausgabe vom 11.04.2010

Wien (OTS) - In einem Interview mit der "Presse am Sonntag" kritisiert der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, Österreichs Asylpraxis. Diese habe drei Schwachpunkte, so Guterres. Erstens gebe es eine zu starke Betonung der Haft. In diesem Zusammenhang hält Guterres auch den Plan von Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) für eine kurzzeitige, generelle Anwesenheitspflicht von Asylwerbern für verkehrt. "Österreich sollte die Haft reduzieren", meinte Guterres in Bezug auf die Fekter-Pläne.

"Der zweite Schwachpunkt ist die Rechtshilfe, die sehr wichtig für Asylwerber ist. Drittens mangelt es an Qualität bei Entscheidungen in der ersten Asylinstanz. Doch da gibt es Fortschritte", erklärte der UN-Kommissar. Abgesehen von den Kritikpunkten attestiert er Österreich aber insgesamt ein "solides Asylsystem".

Anlässlich des 50. Geburtstags der Genfer Flüchtlingskonvention im nächsten Jahr will Guterres überdies Akzente setzen. "Wir wollen eine neue Debatte in Gang setzen über Flucht, die nicht nur durch Konflikte, sondern auch durch Klimawandel, Nahrungsmittelkrisen, Bevölkerungswachstum oder Wassermangel erzwungen sind. Diese Phänomene hängen zusammen", so Guterres. Ändern aber wolle er die Flüchtlingskonvention nicht. Sie würde schlechter werden, fürchtet der UN-Kommissar.

Rückfragen & Kontakt:

chefvomdienst@diepresse.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001