"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gejammert wird immer" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 09.04.2010

Wien (OTS) - Erst hat halb Europa über den niedrigen Euro gejammert: Schwachbrüstig sei die Gemeinschaftswährung, hieß es bald nach deren Einführung Anfang 2002: Für einen Euro bekam man zeitweise nicht einmal 90 Dollar-Cent.

Dann kam der Höhenflug des Euro (also umgekehrt der Niedergang des Dollars), und wieder setzte allgemeines Jammern ein. Für einen Euro bekam man Mitte 2008 knapp 1,50 Dollar. Das war gut für Amerika-Urlauber und Autofahrer: Der niedrige Dollarkurs machte USA-Reisen und die Ölrechnung billig. Die Exportwirtschaft aber hatte allen Grund zum Klagen: In Euro verrechnete Produkte waren im Dollarraum teuer und daher weniger konkurrenzfähig. Die Käufer mussten ja 150 Dollar bezahlen, um Waren im Wert von 100 Euro zu erhalten.

Jetzt purzelt der Eurokurs, und erneut wird gejammert. Die Griechenland-Krise reißt den Euro in den Abgrund, wird reißerisch verkündet. Fast 20 Prozent hat der Euro gegenüber dem Dollar seit 2008 verloren. Für die Exportindustrie ist das sehr erfreulich. Europäische Produkte gewinnen im Dollarraum an Konkurrenzfähigkeit.

Grund zum Klagen haben allenfalls die Amerikaner, wie ja gerade jetzt ihr Währungsstreit mit China zeigt. Die USA werfen der Regierung in Peking vor, die Landeswährung Yuan künstlich niedrig zu halten und dadurch den chinesischen Exporteuren Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Ähnliches gilt auch für das Verhältnis zwischen Dollar und Euro. Ein starker Euro macht Importe aus dem Dollarraum billiger und dämpft dadurch die Inflation. Gleichzeitig werden Exportprodukte teurer, was Arbeitsplätze gefährdet. Wird der Euro billiger, ist es genau umgekehrt.

Wirklich gefährlich aber wäre ein ständiges Auf und Ab der Kurse. Deshalb können wir trotz aller Turbulenzen froh sein, dass der Euro für alle Mitgliedsländer einen Schutzschirm gegen Spekulanten und starke Währungsschwankungen bildet.

Auch Österreich hat davon profitiert, als das hohe Ostengagement heimischer Banken die internationale Finanzwelt nervös gemacht hat. Der gute Ruf, den der Euro allen Turbulenzen zum Trotz in den Mitgliedsländern genießt, besteht also durchaus zu Recht.

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