Frauenministerin Heinisch-Hosek: Die Wirtschaft muss weiblicher werden

Gabriele Heinisch-Hosek begrüßte beim LeaderShe-Forum Frauen in Spitzenpositionen aus ganz Europa.

Wien (OTS) - "Zukunftsforscher meinen, dass wir an der Schwelle
zum Jahrhundert der Frauen stehen", sagte Heinisch-Hosek vor dem prominent besetzten Frauenforum im Hotel Hilton. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hatte die Tagung eröffnet, die Frauenministerin hielt die Key-Note. "Von modernen Trümmerfrauen ist die Rede. Frauen retten angeschlagene Konzerne. Frauen wie Angela Merkel oder Johanna Sigurdardottir helfen in ihren Ländern die Folgen der Wirtschaftskrise zu bewältigen. Das sind Hinweise darauf, dass Frauen tatsächlich im Vormarsch sind", so Heinisch-Hosek. Gleichzeitig höre sie von Ökonominnen, dass die Männer schon wieder damit beschäftigt seien, die männlich dominierten Wirtschaftsstrukturen zu stabilisieren und damit auch ihre Macht- und Herrschaftsverhältnisse abzusichern. "Ich kann nicht sagen, dass Frauen diese Krise verhindern hätten können. Aber vielleicht hätten Frauen früher die Gefahren und Konsequenzen erkannt und die Bremse gezogen", sagte die Frauenministerin, "ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass die Wirtschaft weiblicher werden muss."

Ein wichtiger Schritt dazu sei, endlich mehr Frauen auf allen Unternehmensebenen zu etablieren. "Und mit allen Unternehmensebenen meine ich auch die Führungsetagen: Mehr Diversität in Entscheidungsgremien führt nachweislich zu qualitativ besseren Entscheidungen und zu einem besseren Klima." Das zeige auch eine aktuelle Studie aus Schweden. Je mehr Gleichstellung am Arbeitsmarkt herrscht, desto mehr nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist möglich. "Für Österreich wären laut dieser Studie 32 Prozent mehr BIP-Wachstum möglich, wenn Frauen im gleichen Ausmaß mitmischen könnten."

Doch Österreich sei noch ein gutes Stück weit entfernt vom Jahrhundert der Frauen. Zwar wären Frauen noch nie so gut ausgebildet gewesen wie heute, und nie zuvor seien so viele Frauen berufstätig gewesen wie heute. Dennoch bleibe der Großteil der Familien- und Hausarbeit bei den Frauen, ist die Teilzeitquote hoch und der Verdienst im Vergleich zu Männern noch immer deutlich geringer. Und immer noch stehe für fast 90 Prozent aller unter Dreijährigen kein Betreuungsplatz zur Verfügung, die Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen Ost und West seien in Österreich enorm. In Vorarlberg etwa hätten Kindergärten im Sommer bis zu elf Wochen geschlossen. "Da bedarf es noch einiger Anstrengungen, um gleiche Standards vom Neusiedlersee bis zum Bodensee zu schaffen."

Und es bedürfe auch eines neuen Machtbewusstseins der Frauen. "Frauen müssen Macht positiv sehen, denn Macht kann man nutzen, um zu gestalten." Doch eine Studie der Wirtschaftsuniversität habe gezeigt, dass zehn Jahre nach Abschluss des Wirtschaftsstudiums 15 Prozent der Männer, aber nur drei Prozent der Frauen Karriere gemacht hätten, aber alle gleichermaßen zufrieden sind. "Sind Frauen zu schnell zufrieden zu stellen?" brachte Heinisch-Hosek dieses Studienergebnis auf den Punkt.

"Ich sehe jedenfalls nicht ein, dass es in den Aufsichtsgremien der österreichischen Top-Unternehmen eine 90-prozentige Männerquote gibt. Daher bin für eine Gender-Quote in der Privatwirtschaft. Sie ist auch eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit. Es ist ökonomisch eine Verschwendung, auf die vielen gut ausgebildeten Frauen in Führungspositionen zu verzichten. Wenn wir auf das Entgegenkommen und freiwillige Platzmachen der Männer warten, warten wir umsonst. Wer räumt schon gerne freiwillig den Sessel?", sagte die Frauenministerin.

"Sie haben den Weg an die Spitze geschafft", appellierte Heinisch-Hosek abschließend an das Forum, "Sie sind die Role-Models, die Vorbilder. Helfen Sie Frauen der zweiten und dritten Ebene und fördern sie ihre Karrieren. Wer, wenn nicht Sie!"

Rückfragen & Kontakt:

Pressesprecherin der Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Mag. Dagmar Strobel
Tel.: (01) 531 15 - 2149
dagmar.strobel@bka.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0002