Milchwirtschaft: Österreichische Qualität gibt bestmögliche Sicherheit!

Nach starken Preisrückgängen 2009 nun Stabilisierung in Sicht - Umsatzminus von 7,5 Prozent - Auszahlungspreise über deutschen Vergleichswerten

Wien (OTS/PWK272) - "2009 war für die österreichische Milchwirtschaft ein sehr schwieriges Jahr. Auch wenn es der österreichischen Milchwirtschaft gelungen ist, deutlich bessere Preise als in Deutschland sowie im EU-Durchschnitt zu erwirtschaften, so gab es dennoch deutliche Preisrückgänge mit spürbaren Einkommenseinbußen bei den Bauern", betonte heute, Donnerstag, der Präsident der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter (VÖM) in der WKÖ, Helmut Petschar im Rahmen der Jahrespressekonferenz. Ursache war vor allem die Entwicklung auf den internationalen Milchmärkten sowie die schwierige Wirtschaftssituation mit einhergehender Kaufzurückhaltung bei den Verbrauchern. Erst im 2. Halbjahr 2009 sowie Anfang 2010 war eine Stabilisierung am Milchmarkt zu verzeichnen. Auch im Außenhandel schlugen die Preisrückgänge durch.

Die Milchanlieferung lag 2009 mit 2,709 Mio. t mit 4,19 Prozent durchschnittlichen Fettgehalt um 0,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dieser Umstand, die halbierte Fettkorrektur und die von der EU erhöhte Milchquote bewirken im laufenden Milchwirtschaftsjahr nach 13 Jahren erstmalig wiederum den Entfall der Superabgabe nach Brüssel durch die österreichischen Milchbauern. Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2009 von 39.107 auf 38.500 um 1,6 Prozent zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg damit von 69.500 kg auf 70.400 kg pro Jahr und Milchbauer.

Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten 2009 mit 1,98 Milliarden ein Minus von ca. 7,5 Prozent. Dies ist vor allem auf die rückläufigen Preise bei Milchprodukten zurückzuführen. Das bereinigte EGT hat sich von minus 0,5 Prozent im Jahr 2008 wieder auf 1,5 Prozent eingependelt und erreichte damit das durchschnittliche Niveau der Jahre zuvor. Die Wertschöpfung je Kilogramm eingesetzter Milch ist von 77,56 Cent auf 68,27 Cent gefallen, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ für die österreichische Milchwirtschaft.

Die österreichischen Molkereien mussten die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inkl. Mehrwertsteuer) von 43,57 Cent/kg auf 32,48 Cent/kg im Jahr 2009 (minus 25,5 Prozent) zurücknehmen, wobei gegen Ende des Jahres eine leichte Erholung einsetzte. Ursache war der Absturz am EU-Milchmarkt sowie der schwache Inlandsabsatz infolge der Wirtschaftskrise und der verstärkte Einsatz von Imitatprodukten in der industriellen Weiterverarbeitung von Lebensmitteln. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je österreichischem Bauern ging von 30.262,-- Euro auf 22.854,-- Euro (minus 24,5 Prozent) zurück und unterstreicht somit die schwierige Einkommenssituation der österreichischen Milchbauern im abgelaufenen Jahr.

Trotz der empfindlichen Rückgänge bei den Preisen lagen im Jahr 2009 die österreichischen Auszahlungspreise um 3,66 Cent oder 15,2 Prozent über den Vergleichswerten Deutschlands (Quelle: ZMB), dies trotz der erhöhten Erfassungskosten für die österreichischen Molkereien aufgrund der strukturbedingten Nachteile. Die österreichischen Preise liegen auch deutlich über den EU-Durchschnittswerten. Diese höheren Milchpreise im Vergleich zum Ausland haben den österreichischen Bauern im abgelaufenen Jahr ca. 100 Mio. Euro (exkl. USt) gebracht, durchschnittlich ca. 2.600,-- Euro je Landwirt. Diese höheren Preisniveaus der österreichischen Molkereien im internationalen Vergleich sind Ergebnis der konsequenten Qualitätsarbeit in der österreichischen Milchwirtschaft, sie spiegeln aber auch die Bemühungen der österreichischen Molkereien nach einem möglichst hohen Auszahlungspreis für unsere Landwirte wider.

Im Jahr 2009 mussten österreichische Molkereien auch im Außenhandel bei vergleichbaren Mengen umsatzmäßig Rückgänge verbuchen. Damit ist auch die Exportquote von 43,5 Prozent auf 42,2 Prozent zurückgegangen. Die Exporte beliefen sich auf 835 Mio. Euro (minus 10,4 Prozent), die Importe schrumpften von 533 Mio. Euro auf 489 Mio. Euro um 8,4 Prozent, was auch zu einem Rückgang des positiven Außenhandelssaldos von 398 Mio. Euro auf 346 Mio. Euro um 13 Prozent führte.

Nach wie vor wichtigstes Außenhandelsprodukt ist Käse, hier konnte Österreich auch unter schwierigen Marktverhältnissen mit seiner Qualitätsstrategie im Export punkten, während die Handelsketten verstärkt billige Mengen für Eigenmarken importierten, ebenfalls in der Lebensmittelweiterverarbeitung. Der Durchschnittspreis der exportierten Käse lag mit 3,73 Euro/kg deutlich über dem Durchschnittspreis, der importierte Käse mit 3,50 Euro/kg.

Kritisch zu sehen, so Petschar, sei das aggressive Verhalten des österreichischen Lebensmittelhandels bei Diskontpreisen für wichtige Milchprodukte, die oftmals aus billiger Produktion aus dem Ausland stammen. Gleichzeitig setze der Handel verstärkt auf austauschbare Ware mit Eigenmarken und verstärkt die Preisaktionen bei Milchprodukten. "Wir brauchen den Handel als wichtigen Partner in der Wertschöpfungskette. Aber beste Qualität zum billigsten Preis ist dauerhaft nicht möglich", so der VÖM-Präsident.

Österreichs Milchwirtschaft setzte jedenfalls seit Jahren auf einen konsequenten Ausbau der Qualitätsstrategie. "Wir wollen dem Wunsch unserer Konsumenten entgegenkommen, die ehrliche und unverfälschte Produkte wollen, die aus überschaubaren Strukturen in einer intakten Landschaft stamm Daher setzt die österreichische Milchwirtschaft auch auf die gentechnikfreie Produktion ihrer Produkte, die seit Beginn des Jahres 2010 flächendeckend erfolgt", so Petschar.

Zum Ausblick auf 2010 betonte der VÖM-Präsident, dass man derzeit von den Rekordtiefstständen des letzten Jahres entfernt sei. Verbesserungen am Markt seien aber notwendig. Diese könnten durch eine stärkere Belebung im Außenhandel erfolgen.

Im Hinblick auf das Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015 gilt es die Wettbewerbssituation der Milcherzeuger und Milchverarbeiter in der Lebensmittelkette zu verbessern, um zu einem ausgeglichenen Kräfteverhältnis zu kommen. Schließlich sollten öffentliche Maßnahmen ergriffen werden (z.B. strategische Lagerhaltung von Milchprodukten), die die bisher zurückliegende hohe Volatilität auf den Milchmärkten eindämmen und eine stabile Entwicklung auf den Märkten gewährleisten. VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer: "Wir erwarten durch die anstehenden Beschlüsse in der EU eine Klarheit hinsichtlich Lebensmittelkennzeichnung für die Konsumenten, sodass in weiterer Folge irreführende Bezeichnungen unterbunden werden und damit der höheren Qualität stärker zum Durchbruch verholfen wird."

"Österreichs Milchwirtschaft hat hervorragende Voraussetzungen für höchstqualitative Lebensmittel, die in weiterer Folge auch bestmögliche Sicherheit in der Lebensmittelversorgung bieten. Österreich hat als erstes Land EU-weit flächendeckend eine Gentechnik-freie Produktion in der Milchwirtschaft umgesetzt, um neuerlich einen Qualitätsvorsprung zu haben. Diese hohen Qualitätsstandards sind eine gute Basis für beste Produkte. Die Milchwirtschaft sieht daher für den Milchstandort Österreich gute Zukunftsaussichten" so Petschar abschließend. (us)

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