Ärztliche Fortbildung: Patientennutzen ins Zentrum rücken

Enquete zur Wirkung ärztlicher Fortbildung - Wissen alleine reicht nicht

Wien (OTS) - Die Erarbeitung von Messinstrumenten, um die Wirkung der ärztlichen Fortbildung festzustellen, ist die zentrale Forderung einer international besetzten Enquete der österreichischen akademie der ärzte, die am Mittwoch anlässlich des zehnjährigen Bestehens in Wien stattfand. Der Patientennutzen müsse im Vordergrund stehen. Man habe sicherzustellen, dass das erworbene Wissen und die Fertigkeiten in die medizinische Betreuung des Patienten einfließen, erklärten Experten aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz.

Wie neueste Erkenntnisse der Bildungsforschung zeigen, könne das Wissen umso effizienter in die Praxis umgesetzt werden, je mehr aus eigenem Antrieb gelernt werde. Daher stimmten die Vortragenden darin überein, dass starre Lehrpläne der Weiterentwicklung schaden würden und vielmehr der individuelle Lernprozess der Mediziner zu fördern sei. Und: Für wirkungsvolle Fortbildung brauche es auch die nötigen Rahmenbedingungen.

Ärzte sind gesetzlich zur Fortbildung angehalten, sie fühlen sich aber auch ethisch dazu verpflichtet. Das Fortbildungsprogramm der Österreichischen Ärztekammer sieht vor, dass Ärztinnen und Ärzte alle drei Jahre nachweisen, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu sein. "Die Fortbildung ist ein wesentliches Mittel der Qualitätssicherung", erklärte Wolfgang Routil, Präsident der österreichischen akademie der ärzte und der Ärztekammer Steiermark auf der Enquete. Daher habe auch die Gesundheitspolitik Verantwortung dafür zu tragen, dass für Mediziner Möglichkeiten geschaffen würden, ihrer Verpflichtung nachzukommen. Ebenso wie sie von der Ärztekammer durch Angebote, Richtlinien und Qualitätssicherung unterstützt würden.

Fortbildung selbst bedeute lebenslanges Lernen in der beruflichen Praxis. Sie sei nur dann erfolgreich, wenn neue Erkenntnisse in die Behandlung der Patienten einflößen. Dazu müssten aber statt Frontalunterricht Veranstaltungen mit Workshop-Charakter forciert werden. Denn problemorientiertes Lernen und der Erfahrungsaustausch zwischen den Ärzten sei u.a. wesentlich für den Lernerfolg, der sich in unmittelbarem Patientennutzen niederschlage. Auch das informelle und individuelle Lernen müsse unterstützt werden. Ein strikter Lehrplan, so sagten die Experten, bringe nicht den gewünschten Erfolg. Die Qualität der Fortbildung sei derzeit kaum überprüfbar. Während Wissen und Fertigkeiten gemessen werden können, sei die Umsetzung kaum erfassbar. Hier, so hieß es, müssten noch Methoden entwickelt werden.

Um sich fortzubilden, setzen die Ärzte vermehrt auf Online-Vorträge sowie Online-Vorlesungen, Chatsysteme, Videokonferenzen, Foren oder Wikis. Unterstützung bietet hier die österreichische akademie der ärzte, die den österreichischen Ärzten und Ärztinnen ein gutes Zeugnis ausstellt: Über 466.000 Stunden wenden jene 12.000 Mediziner, die über ein online Fortbildungskonto der Akademie verfügen, jährlich für ihre Fortbildung auf. Sie sammelten vergangenes Jahr 621.556 Diplomfortbildungspunkte (DFP-Punkte), die sie als Nachweis für ein Fortbildungsdiplom benötigen. Da zahlreiche Ärzte über kein Online-Konto verfügen, dürfte die tatsächliche Anzahl der Fortbildungsstunden um ein Vielfaches höher sein. Insgesamt besuchten die österreichischen Mediziner 2009 aber mehr als 9.000 approbierte Veranstaltungen. (zk)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Dipl.-Journ. Birgit Merz
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 45

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE0001