Parlament: Hohe Auszeichnung für Prof. Rudolf Sarközi Die Republik dankt einem Rom für ein großes Lebenswerk

Wien (PK) - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer überreichte heute Abend im Parlament das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste
um die Republik Österreich an Prof. Rudolf Sarközi, den "unermüdlichen Kämpfer für die Roma und Sinti in Österreich, der sich mit vollem Einsatz und Erfolg für die Anerkennung seiner Volksgruppe engagiert hat und immer als mahnende Stimme gegen den Faschismus und gegen die Diskriminierung von Überlebenden des Nationalsozialismus aufgetreten ist." Prof. Rudolf Sarközi nahm
den hohen Orden, der ihm von Bundespräsident Heinz Fischer verliehen wurde, im Beisein zahlreicher Prominenz, von Freunde
und Weggefährten aus den Bundesländern sowie seiner Familie entgegen. Die Laudatio hielt der Historiker Gerhard Baumgartner. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom "Janoska Quartett", das sich mit virtuos dargebotenen Stücken aus dem reichen musikalischen Fundus der Roma und Sinti in die Herzen des
Publikums spielte.

Barbara Prammer schilderte zunächst den beeindruckenden Lebensweg Rudolf Sarközis, der am 11. November 1944 im Konzentrationslager Lackenbach geboren wurde und in der Zeit des Nationalsozialismus fast seine ganze Familie verlor. Als engagierter Vertreter der
Roma und Sinti - deren Lage auch nach 1945 schwierig war -
erreichte Rudolf Sarközi 1993 die Anerkennung als Volksgruppe in Österreich und konnte in den letzten Jahrzehnten viel zur Verbesserung ihrer Situation beitragen.

Die Nationalratspräsidentin würdigte das Wirken Rudolf Sarközis als Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma, hob seine Tätigkeit als Mitglied des Kuratoriums des Nationalfonds und des Entschädigungsfonds sowie der Opferfürsorgekommission im Sozialministerium hervor und erinnerte an seine Ernennung zum Professor im Jahr 2002. Rudolf Sarközi war darüber hinaus als Mitglied der Jury des CIVIS Fernseh- und Radiopreises tätig und engagierte sich bei der Schaffung von Gedenkstätten und Mahnmalen zur Erinnerung an Roma und Sinti. In diesem Zusammenhang machte
die Nationalratspräsidentin auf die erste Gedenktafel für Roma
und Sinti in Mauthausen aufmerksam, wies auf die umfassende Dokumentation der ermordeten Roma und Sinti hin, die auf
Initiative Prof. Sarközis erstellt wurde und machte auf die
vielen Veranstaltungen aufmerksam, die Rudolf Sarközi im Gedenken an die von den Nazis ermordeten Roma und Sinti organisiert hat. Barbara Prammer erwähnte auch die "Roma-Doku", das von Sarközi geleitete Zentrum der Begegnung, Dokumentation und Information
der Roma und Sinti, den von ihm geleitete Bildungsfonds für Roma und die Zeitschrift ROMANO KIPO (Roma Bild), die Rudolf Sarközi seit 1994 herausgibt.

Im Zusammenhang mit dem internationalen Einsatz Rudolf Sarközis für die Verbesserung der Situation der acht Millionen Roma und Sinti in Europa erinnerte die Nationalratspräsidentin an ihre diesbezüglichen Ausführungen bei der letzten OSZE-Konferenz in Wien und machte auf die Roma-Veranstaltung am kommenden 8. April
im Parlament aufmerksam.

Rudolf Sarközi - ein würdiger Rom und ein großer Österreicher

Der Historiker Gerhard Baumgartner leitete seine Laudatio auf
Prof. Rudolf Sarközi mit Worten des Dankes an den südburgenländischen Landsmann ein, mit dem er seit mehr als 25 Jahren in vielen Volksgruppenangelegenheiten zusammenarbeite.
Rudolf Sarközi habe als Volksgruppenpolitiker der Roma immer das Gespräch mit Fachhistorikern gesucht, ein offenes Ohr für deren Anliegen gehabt und so eine gute Basis für eine jahrzehntelange fruchtbare Zusammenarbeit gelegt. Als Beispiele nannte der Wissenschaftler die Projekte der Historikerkommission,
Forschungen zur Lage der Burgenland-Roma nach 1945 und die namentliche Erfassung der Holocaustopfer unter den
österreichischen Roma und Sinti.

Es sei Rudolf Sarközi nicht an der Wiege gesungen worden, eines Tages als Professor im Parlament eine der höchsten Auszeichnungen entgegenzunehmen, die die Republik Österreich zu vergeben hat, sagte Gerhard Baumgartner. Geboren 1944 im "Zigeunerlager Lackenbach" als Kind eines Wiener Sinto und einer
burgenländischen Romni, wuchs Rudolf Sarkösi im burgenländischen Unterschützen auf - und ist bis heute ein begeisterter Südburgenländer geblieben, wie Baumgartner hinzufügte. Das Dorfleben habe Sarközi aber auch in einem besonderen Sinn
geprägt, sagte der Historiker und riet diesbezüglich zur Lektüre von Sarközis Buch über die Anerkennung der Roma als Volksgruppe:
Ausgrenzung, Missachtung und Ablehnung durch die Mehrheitbevölkerung haben Rudolf Sarközi geprägt und angespornt, etwas an seiner eigenen Situation und an der Situation seiner Volkgruppe zu ändern, so Baumgartner.

Prof. Rudolf Sarközi hat nur eine achtjährige Volksschule
besucht, erinnert der Wissenschaftler, der seinen Freund einen Autodidakten im besten Sinne des Wortes nannte und Maxim Gorkis Klassiker "Meine Universitäten" zitierte, um den Bildungsweg zu illustrieren, auf dem Rudolf Sarközi zunächst in berufliche und dann auch politsche Verantwortung aufstieg, ein Weg, auf dem
Bruno Kreisky zum großen Vorbild des jungen Rom aus dem
Burgenland werden sollte.

Als Höhepunkt im Leben und Lebenswerk Prof. Rudolf Sarközis bezeichnete Baumgartner die Anerkennung der Roma als österreichische Volksgruppe im Jahr 1993. In der österreichischen Roma-Bewegung der achtziger Jahren habe es viele beherzte
Aktivisten gegeben, aber kaum Menschen mit politischer Erfahrung.
In diesem Moment sei Rudolf Sarközi der richtige Mann gewesen. Er verfügte über politische Kontakte, erkannte die historische Bedeutung der Stunde und sicherte sich durch seine führende Rolle bei den Anerkennungsverhandlungen einen bleibenden Platz in der Geschichte der österreichischen Roma sowie in der Geschichte Österreichs. Der Name Sarközi wurde zum Symbol für die gesamte Volksgruppe der Roma, sagte der Historiker und charakterisierte
den Vorsitzenden des Volksgruppenbeirates der österreichischen
Roma als harten, konsequenten, aber auch kooperativen Volksgruppenpolitiker, der ein geschätzter Verhandlungspartner
von Regierungschefs, Ministern, Landeshauptleuten und
Botschaftern vieler Länder wurde.

Rudolf Sarközi habe sich beim Kampf um die Anerkennung der Volksgruppe, bei seinen vielen Initiativen zur Errichtung von Gedenkstätten für die NS-Opfer und für die Verbesserung der Lebens- und Bildungschancen der österreichischen Roma stets als lösungsorientierten Politiker erwiesen, der nicht lamentierte und nie den billigen Triumph suchte, sondern praktikable Lösungen,
bei denen beide Seiten ihr Gesicht wahren können. "Die Erfolge
der österreichischen Roma-Politik sind in einem nicht zu unterschätzenden Teil dem diplomatischen Geschick Rudolf Sarközis geschuldet", sagte Gerhard Baumgartner.

Außerdem habe Rudolf Sarközi in einer der schwersten Stunden der österreichischen Nachkriegsgeschichte, nach dem Bombenattentat
von Oberwart 1995, das vier Roma das Leben kostete, Souveränität gezeigt. Dem beherzten Auftreten Rudolf Sarközis nach diesen
ersten politisch motivierten Morden in Österreichs Nachkriegsgeschichte sei es zu verdanken, dass die gespannte Situation nicht weiter eskalierte. Zum ersten Mal in der
Geschichte der österreichischen Roma haben sich Organe der
Republik und das demokratische Österreich mit den Roma und ihren Opfern gegen die Attentäter solidarisiert, führte der Historiker aus. Die vier Opfer von Oberwart wurden quasi zu Märtyrern, da deren Tod die Österreicher aufrüttelte und ihnen die
Verpflichtung der Republik gegenüber den wenigen Überlebenden des Holocaust vor Augen führte. Der damals gegründete Roma-Fonds sei zu einem Angelpunkt in der Verbesserung der Lebens- und Bildungsituation zahlreicher österreichischer Roma geworden,
sagte Baumgartner und sprach von einem der politischen Bravourstücke Rudolf Sarközis.

Zu Dank verpflichtet sei die Republik Rudolf Sarközi schließlich auch für dessen Vorbildrolle für die nachfolgende Generation junger Roma. Er habe ihnen vorgelebt, wie man es mit Einsatz und Engagement, mit Kooperation und Zusammenarbeit erreiche, dass gesellschaftlicher Aufstieg und politische Karriere auch für Roma kein Fremdwort sein müssen. - "Rudolf Sarközi ist im wahrsten Sinne des Wortes ein 'schero Rom', ein würdiger großer Rom und großer Österreicher!"

Rudolf Sarközi betont die Bedeutung von Wahlen in der Demokratie

Prof. Rudolf Sarközi dankte Präsidentin Prammer in sehr persönlich gehaltenen Worten für die Überreichung des Ehrenzeichens im Parlament, wo er sich immer sehr wohl gefühlt habe, seit er das Hohe Haus vor 20 Jahren das erste Mal mit
großer Ehrfurcht betreten habe, sagte Sarközi, dankte Prammer
auch für ihren Besuch im "Roma-Doku" und für ihren Einsatz für die Roma und Sinti auf europäischer Ebene. Sarközi blickte auch zurück auf die Arbeit im Nationalfonds und im Entschädigungsfonds und dankte allen Freunden und Weggefährten sowie den vielen Menschen, die es mit den Roma und Sinti ehrlich meinen, seiner Familie und nicht zuletzt seinem Laudator Gerhard Baumgartner.

Die Erinnerung an die dunkle Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft schmerze die Roma und Sinti immer noch, sagte Rudolf Sarközi und kündigte an, sich auch in Zukunft für das Gedenken an diese Zeit und ihrer Opfer einzusetzen und sich für die
Errichtung von Gedenkstätten zu engagieren. Ein besonderes
Anliegen sei ihm die Demokratie, sagte Rudolf Sarközi und
forderte die Medien aktuell dazu auf, die Menschen über die Bedeutung einer entsprechend großen Wahlbeteiligung bei der kommenden Bundespräsidentenwahl aufzuklären. (Schluss)

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