WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum Geiz beim Spritsparen nicht geil ist - von Esther Mitterstieler

Preisgestaltung durch die Verbraucher als Weg

Wien (OTS) - Alle Jahre wieder entflammt um die Osterzeit eine Diskussion um viel zu hohe Spritpreise. Meist nicht zu Unrecht, wie ein Blick auf die Zapfsäulen zeigt. Dementsprechend waren die Schlagzeilen vor dem Osterfest 2004 und 2010 nahezu ident. Abzocke der Mineralölkonzerne, lautet der Vorwurf der diversen Autofahrerclubs. Der Zorn auf die besonders um die Feiertage hinaufgeschnellten Spritpreise kennt keine Landesgrenzen. Geradezu charmant wirkt der Tipp des deutschen Automobilclubs ADAC für seine Mitglieder, doch möglichst in Österreich zu tanken, weil dort der Preis pro Liter Treibstoff um bis zu 20 Cent günstiger sei.

Da hätten wir schon einen Vorwurf der heimischen Autoclubs entkräftet, dass Österreichs Autofahrer die Melkkühe der Nation sind. Noch ein Gegenargument gefällig? Gegenüber dem vergangenen Jahr sind die Preise an den Zapfsäulen sogar um rund ein Viertel gefallen. Zu bedenken gilt: Damals waren die Rohölpreise deutlich höher. Es stimmt: Die Mineralölkonzerne geben die mittlerweile gesunkenen Rohölpreise nicht an die Endkunden weiter. Der Deckungsbeitrag der Konzerne ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und der Vorwurf der ungerechtfertigten Abzocke kurz vor den Feiertagen ein richtiger.

Das Dilemma: Man kann und soll nicht alles regulieren. Sehr wohl aber muss die Politik die Ölkonzerne in die Schranken weisen. Die nationalen Kartell- und Wettbewerbsbehörden untersuchen die Treibstoffpreisbewegungen laufend. Es ist eine Gratwanderung, Wettbewerb zuzulassen und die Interessen der Autofahrer - egal ob urlaubend oder nicht - zu schützen.

Würden Diskonter tatkräftiger unterstützt, kämen die Großen unter Druck, die Preise ebenfalls zu senken. Fahren Sie nach Salzburg: Da bieten OMV und Hofer wenige Meter voneinander entfernt den exakt identen Preis für Benzin und Diesel an. A là longue kann sich das für Hofer nur ausgehen, wenn seine Klientel Solidarität beweist. Also:
Unterstützung braucht der Markt von allen Teilnehmern.
Noch ein Hinweis: Fahren Sie mal gen Westen. Egal zu welcher Jahreszeit: Je westlicher Sie in Österreich unterwegs sind, umso teurer wird der Tank-Spaß.

Nicht, weil dort immer Urlaubszeit wäre, sondern weil Vorarlberg, Salzburg oder Tirol näher bei Sprithochpreisländern wie Deutschland, Schweiz oder Italien liegen. Es wirkt bloß die Kraft des Marktes und die Geiz-ist-geil-Mentalität der (deutschen) Autofahrer.

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