"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Neue Identität gesucht"

Der Zustand des Heeres ist besorgniserregend. Trotzdem ist es sinnvoll.

Wien (OTS) - Baufällige Kasernen, veraltetes Gerät - und der ernst zu nehmende Angreifer, der uns überrollt, ist nicht auszumachen. Ein 18-Jähriger, der im Jahr 2010 den Dienst im Heer antritt, fragt sich zu Recht: Wozu das Ganze? Sollten wir den "Verein" nicht einfach auflösen?
Sollten wir nicht. Österreich ist von "Freunden" umgeben, weil es die EU gibt. An unserer solidarischen Verantwortung ändert die Lage als Binnenstaat rein gar nichts, im Gegenteil. Wer die Vorteile der Union beansprucht, hat seinen Beitrag zur gemeinsamen Militärpolitik zu leisten. Es sei denn, wir gefallen uns in der Rolle des Trittbrettfahrers, nach dem Motto: Sollen doch Engländer, Ungarn oder Deutsche ihre Soldaten zu gefährlichen Einsätzen schicken. Abgesehen von der Solidarität bleiben "egoistische" Motive: Der Katastrophenschutz - die Meriten der Uniformierten sind hier unbestritten - und die Frage des Wieder-Aufrüstens. Niemand will ein größeres Heer; aber sollte es wider Erwarten doch einmal erforderlich sein, ist es leichter, bestehende Strukturen hochzufahren, als alles neu zu erfinden. Die Frage lautet nicht "Wozu noch ein Heer?", sondern: Warum fällt es so schwer, das Heer für seine neuen Aufgaben umzurüsten?

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