"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Vier-Milliarden-Gehalt lässt im Frühling frösteln" (Von Adolf Winkler)

Ausgabe vom 03.04.2010

Graz (OTS) - Was ist vom zarten Konjunkturpflänzchen, das allenthalben beschworen wird, wirklich zu halten? Zu den verlässlichsten Orientierungshilfen für Manager zählt dabei der deutsche Handelsblatt-Indikator. Waren die zugesagten 0,2 Prozent Wachstum für die deutsche Wirtschaft im 1. Quartal 2010 schon ein Silberstreif, so ist für das zweite Quartal von April bis Juni mit 0,9 Prozent Wachstum schon richtig Erholung in Aussicht gestellt. Dass zugleich in den USA mit 162.000 neuen Jobs im Monat März eine Wende auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten ist, verstärkt die Zuversicht, die auch bei Anlegern und Investoren ablesbar ist: An den wichtigen Börseplätzen New York, Tokio und Frankfurt legten die Indizes seit Jahresbeginn um fünf bis sieben Prozent zu.
Doch von einem neuen Frühling der Weltwirtschaft zu sprechen, wäre unüberlegt. Denn vom nachhaltigen Wachstumsfundament einer krisenfesten Weltfinanzarchitektur, die einem Banken-Armageddon wie im Herbst 2008 vorbeugt, ist noch nichts zu sehen.
"Wir müssen ein Ende machen mit rücksichtsloser Spekulation, mit faulen Krediten, mit überschuldeten Banken und fehlender Aufsicht", hat US-Präsident Barack Obama vor genau einem Jahr gefordert. Doch der damals auf dem G20-Gipfel der wichtigsten Wirtschaftsnationen in Pittsburgh eingesetzte Finanzstabilitätsrat bastelt an strengen Regeln noch ergebnislos herum. Dass Spekulanten beim nächsten G20-Gipfel im November in Südkorea ein Riegel vorgeschoben wird, ist kaum absehbar. Von globalen Finanztransaktionssteuern ist man gleich weit weg wie von der Zähmung unbändiger Gehaltsgier. 2009 kassierten die 25 Top-Verdiener unter den Hedgefonds-Managern zusammen 25,33 Milliarden Dollar. Das irrsinnige Vier-Milliarden-Spitzengehalt des US-Fondsmanagers David Tepper lässt im zaghaft erwachenden Frühling erschaudern.
Für die damit weiter einhergehenden Crash-Risiken zahlen alle. Kreditkunden mit hohen Risikoaufschlägen, Steuerzahler für die Sanierung der Budgets, die global für Bankenrettungen ausgehöhlt werden mussten. Die darauf folgenden Bankensteuern werden die Kunden empfindlich zu spüren bekommen. Ebenso die härteren Kapitalunterlegungen und Liquiditätspuffer, die der Baseler Ausschuss mit neuen Vorschriften auch all jenen regionalen Banken aufbürden will, die mit dem soliden Einlagen- und Kreditgeschäft die Finanzkrise ebenso wenig ausgelöst haben wie ihre Kunden. Die Krise der Globalisierung bleibt.***

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001