"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Heinz Fischer - ein Bürgerschreck?"

Der Eiertanz um die Hofburg-Wahl ist für die ÖVP mit Ostern nicht zu Ende

Wien (OTS) - Hingehen, aber weiß wählen. Das ist die Parole,
die führende ÖVP-Funktionäre für die Bundespräsidentenwahl am 25. April ausgeben. Die Partei steckt in einem Dilemma: Mangels Erfolgsaussichten und Geld wollte sie keinen Kandidaten aufstellen, sie will aber auch keine Wahl-Empfehlung aussprechen.
Viele ÖVP-Wähler tun sich freilich schwer damit, zur Wahl zu gehen und einen leeren Stimmzettel einzuwerfen. Jüngste Umfragen zeigen, dass auch unter ihnen die überwiegende Mehrheit mit Fischer sympathisiert.
Als erster ÖVP-Politiker hat nun Othmar Karas erklärt, dass er nicht weiß, sondern Fischer wählen wolle. Die Parteispitze sucht den Vorstoß des Abweichlers nicht einmal zu ignorieren.
Alles in allem ein politischer Eiertanz, der auch nach Ostern den dahindümpelnden Wahlkampf prägen wird. Die im rechtsrechten Eck festgefahrene FPÖ probiert bereits verzweifelt, wenigstens daraus Kapital zu schlagen. Sie denunziert Fischer als letzten Fan der kommunistischen Diktaturen in Nordkorea und Kuba, um ratlose Schwarz-Wähler von weiß auf blau umzufärben.
Der 71-jährige Amtsinhaber taugt freilich zu vielem anderen denn als Bürgerschreck. Heinz Fischer stammt aus dem "sozialistischen Adel", ist im noblen Wien-Hietzing großgeworden. Schon sein Vater war in der Politik (als Staatssekretär im Handelsministerium in der Großen Koalition Raab/Schärf). Er logiert seit Jahrzehnten privat und jetzt auch als Staatsoberhaupt in der tief bürgerlichen Josefstadt. Zu breiter Popularität brachte er es in seinen ersten dreieinhalb Jahrzehnten als Spitzenpolitiker nicht. Erst in der Hofburg entwickelte Fischer spürbare Volksnähe. Der Bundespräsident, der nach sechs unauffälligen, aber unangreifbaren Amtsjahren neuerlich antritt, repräsentiert so eines der letzten Exemplare des Typus Sozialdemokrat, der weit über die eigenen Kernschichten hinaus mehrheitsfähig ist.

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