"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Bunte Eier, teurer Sprit" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 02.04.2010

Wien (OTS) - Es kommt wie das Amen im Gebet: Vor Ostern türmen
sich in den Regalen die bunten Eier - und Treibstoff wird teurer. Das regt Autofahrer, Konsumentenschützer, Medien und daher auch Politiker auf. Nur die Ölkonzerne lassen sich nicht beirren: Aus einem Katalog mehr oder minder stichhaltiger Begründungen suchen sie sich die jeweils passenden heraus: Entweder ist Rohöl irgendwo auf der Welt teurer geworden, oder die Weltmarktpreise für Benzin und Diesel sind gestiegen oder der Dollar hat aufgewertet.

Die einzig ehrliche Antwort bekommen wir selten zu hören: Der Spritpreis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Vor Ostern wird mehr gefahren und mehr getankt, also sahnt die Mineralölwirtschaft weltweit ab.

Die Autofahrer scheint das nicht weiter zu stören. Sonst müssten sich vor den Zapfsäulen von Diskontern und Billigtankstellen lange Schlangen bilden, während an teuren (Marken-)Tankstellen die Kunden wegbleiben.

Die Proteste der Konsumentenschützer und vieler Politiker stehen leider auf wackeligen Beinen: Einerseits fordern sie Wettbewerb, andererseits "fair kalkulierte Preise". Denkt man diese Forderung zu Ende, dürften die Spritpreise regional kaum differieren: Rohöl, Verarbeitung und Transport sind für alle ungefähr gleich teuer. Logische Folge des Gleichklangs wäre dann der Vorwurf von verbotenen Preisabsprachen und der Kartellbildung.

Die Politik ist deshalb gut beraten, sich an der Diskussion über die Treibstoffpreise nicht die Finger zu verbrennen. Die häufig geforderte amtliche Preisregelung hat es früher bei Treibstoff, Strom, Gas und Lebensmitteln gegeben. Sie hat die Preise immer nur in die Höhe getrieben.

Die Unternehmen mussten ihre Kosten nachweisen und die kalkulierten Preise wurden genehmigt. Dadurch war weder der geringste Anreiz zu Sparsamkeit gegeben noch fand auch nur ansatzweise Wettbewerb statt. Alle hielten sich an die amtlich verordneten Höchstpreise.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Das einzig wirksame Rezept gegen die Abzocke der Ölkonzerne haben die Autofahrer selbst in der Hand, indem sie teure Anbieter links liegen lassen und preisbewusst bei Diskontern tanken.

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