• 01.04.2010, 17:00:13
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Bunte Eier, teurer Sprit" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 02.04.2010

Wien (OTS) - Es kommt wie das Amen im Gebet: Vor Ostern türmen
sich in den Regalen die bunten Eier - und Treibstoff wird teurer. Das
regt Autofahrer, Konsumentenschützer, Medien und daher auch Politiker
auf. Nur die Ölkonzerne lassen sich nicht beirren: Aus einem Katalog
mehr oder minder stichhaltiger Begründungen suchen sie sich die
jeweils passenden heraus: Entweder ist Rohöl irgendwo auf der Welt
teurer geworden, oder die Weltmarktpreise für Benzin und Diesel sind
gestiegen oder der Dollar hat aufgewertet.

Die einzig ehrliche Antwort bekommen wir selten zu hören: Der
Spritpreis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Vor Ostern wird
mehr gefahren und mehr getankt, also sahnt die Mineralölwirtschaft
weltweit ab.

Die Autofahrer scheint das nicht weiter zu stören. Sonst müssten sich
vor den Zapfsäulen von Diskontern und Billigtankstellen lange
Schlangen bilden, während an teuren (Marken-)Tankstellen die Kunden
wegbleiben.

Die Proteste der Konsumentenschützer und vieler Politiker stehen
leider auf wackeligen Beinen: Einerseits fordern sie Wettbewerb,
andererseits "fair kalkulierte Preise". Denkt man diese Forderung zu
Ende, dürften die Spritpreise regional kaum differieren: Rohöl,
Verarbeitung und Transport sind für alle ungefähr gleich teuer.
Logische Folge des Gleichklangs wäre dann der Vorwurf von verbotenen
Preisabsprachen und der Kartellbildung.

Die Politik ist deshalb gut beraten, sich an der Diskussion über die
Treibstoffpreise nicht die Finger zu verbrennen. Die häufig
geforderte amtliche Preisregelung hat es früher bei Treibstoff,
Strom, Gas und Lebensmitteln gegeben. Sie hat die Preise immer nur in
die Höhe getrieben.

Die Unternehmen mussten ihre Kosten nachweisen und die kalkulierten
Preise wurden genehmigt. Dadurch war weder der geringste Anreiz zu
Sparsamkeit gegeben noch fand auch nur ansatzweise Wettbewerb statt.
Alle hielten sich an die amtlich verordneten Höchstpreise.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Das einzig wirksame Rezept gegen
die Abzocke der Ölkonzerne haben die Autofahrer selbst in der Hand,
indem sie teure Anbieter links liegen lassen und preisbewusst bei
Diskontern tanken.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382

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