WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Hypo Alpe Adria ist an allem schuld - von Günter Fritz

Auch in der Wirtschaft kommt ein Sündenbock manchmal gelegen

Wien (OTS) - Die Bayerische Landesbank hat gestern eine desaströse Bilanz für des vergangene Jahr mit einem Verlust in Höhe von 2,6 Milliarden Euro vorgelegt. Schuld daran sei ausschließlich die ehemalige Tochter Hypo Alpe Adria, so BayernLB-Interims-Chef Stefan Ermisch, denn ohne diese hätten sie 885 Milllionen Euro Gewinn geschrieben. Ermisch bemühte sich, das Thema ganz weit weg von sich zu schieben, da die Hypo für die BayernLB wirtschaftlich erledigt sei.

Bei der Aussage dürfte es sich allerdings höchstens um die halbe Wahrheit und mehr um einen frommen Wunsch und eine Schutzbehauptung handeln. Denn erstens will die BayernLB in der Causa noch alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, um im Zuge von Schadenersatzforderungen an das Land Kärnten und an Einzelpersonen die finanziellen Ausfälle abzufedern. Und zweitens ist noch vieles aufzuklären.

Schon gar nicht erledigt ist die Angelegenheit für das Land Bayern, dessen politische Verantwortliche vom früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und CSU-Granden Erwin Huber abwärts beim Kauf der Hypo alles andere als ein glorreiche Rolle gespielt haben. Das gilt auch für das ehemalige BayernLB-Management unter Werner Schmidt, das die Akquisition federführend unter tatkräftiger Mithilfe von Investor Tilo Berlin abwickelte. Woran bekanntlich die Staatsanwaltschaft höchstes Interesse hat - wohlgemerkt, neben vielen anderen Aspekten, die von den Niederungen der Kärntner Politik über bedenkliche Verhaberungen bis hin zu eindeutig kriminellen Verdachtsmomenten führen.

Die Causa stinkt nach wie vor zum Himmel, und wer sie jetzt mit der Formulierung "die Hypo Alpe Adria ist an allem schuld" abtut und sie damit quasi zu entpersonalisieren versucht, hat ein eher durchsichtiges Ablenkungsmanöver im Sinn. Denn auch im Wirtschaftsleben kommt ein Sündenbock manchmal durchaus gelegen. Die Hypo, die 2009 selbst 1,6 Milliarden Euro Verlust eingefahren hat, kann jetzt von allen Seiten herrlich ausgeschlachtet werden und eignet sich auch hervorragend dazu, Politik zu machen.

Bayern hat bei der Hypo Alpe Adria-Übernahme jedenfalls einen kapitalen Bauchfleck hingelegt - und selbst wenn es stimmt, dass Bayern sich vom Kärntner Ex-Landeshauptmann Jörg Haider über den Tisch hat ziehen lassen, ist das kein Ruhmesblatt für die politisch und operativ Verantwortlichen. Die Aufarbeitung der Affäre wird noch viel Zeit beanspruchen und es ist zu hoffen, dass alle Ungereimtheiten aufgeklärt und die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden - in Österreich und vor allem auch in Bayern.

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