Hohe Risikovorsorgen prägen das Konzernergebnis 2009; rasche Umsetzung des Umstrukturierungsplans als Herausforderung für 2010

Klagenfurt (OTS) - 2009 - Ein sehr schwieriges Jahr in einem weiterhin anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Senkung der Bilanzsumme um 5 % von EUR 43,3 Mrd. auf EUR 41,1 Mrd. Rückgang insbesondere aufgrund einer Reduktion des Neugeschäftes sowie gestiegener Risikovorsorgen.

  • Positive Entwicklung im operativen Geschäft - Steigerung des Nettozinsergebnisses von EUR 702 Mio. auf EUR 869 Mio. (+ 24 %); leichte Verbesserung des Provisionsergebnisses von EUR 118 Mio. auf EUR 121 Mio. (+ 3 %); Summe der Betriebsaufwendungen um EUR 44 Mio. auf EUR 542 Mio. (- 8 %) gesenkt.
  • Aufwendungen für Kreditrisikovorsorgen bei EUR -1.672 Mio. zeigen Verdreifachung gegenüber dem Vergleichswert 2008 (EUR -533 Mio.); Gesamtstand der Vorsorgen erhöht sich auf insgesamt EUR 2.450 Mio. (Bilanzwert). Ursachen begründet in drastisch gestiegenen Überfälligkeiten im Finanzierungsportfolio und Anstieg der durchschnittlichen Verzugsdauer, deutlich niedrigeren Wertansätzen für Sicherheiten sowie Vorsorgen für Einzelengagement (Klumpenrisiken), insbesondere bei Cross-Border-Finanzierungen.
  • Etliche Konzerngesellschaften, insbesondere im Banken-Bereich, erwirtschafteten in 2009 Gewinne. Konzernjahresergebnis nach Steuern und Minderheiten in 2009 mit EUR -1.581 Mio. (2008: EUR 520 Mio.) jedoch deutlich negativ.
  • Verluste führten zu einem Rückgang der Konzerneigenmittel. Unter Berücksichtigung der Sanierungsbeiträge der Alteigentümer sowie einer deutlichen Reduktion der Risikoaktiva (RWA) ergibt sich zum 31.12.2009 aber eine ausreichende Eigenmittelquote von 9,9 %.
  • Ausblick 2010: Vertiefender Umstrukturierungsplan in Finalisierung sieht deutliche Redimensionierung der Gruppe vor. Umstrukturierungsplan jedoch noch abhängig von Genehmigung durch EU-Kommission. Gemäß Vereinbarung vom 14. Dezember 2009 wurden seitens der Republik Österreich EUR 450 Mio. und seitens des Landes Kärnten EUR 150 Mio. als Kernkapital zugesagt. Zufuhr dieser noch offenen EUR 600 Mio. bis 30. Juni 2010 in den Plänen berücksichtigt. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in 2010 weiterhin als schwierig prognostiziert. Geschäftsjahr 2010 daher sehr herausfordernd und steht für die Hypo Group Alpe Adria im Zeichen der Konsolidierung in den Märkten und Geschäftsfeldern.

Das Geschäftsjahr 2009 war von teilweise sehr starken Auswirkungen der Wirtschaftskrise gekennzeichnet, die auch all die Länder erfasste, in denen die Hypo Group Alpe Adria mit ihren Konzerneinheiten vertreten ist. Nichtsdestotrotz konnte die Hypo Group Alpe Adria im Geschäftsjahr 2009 bei wesentlichen Größen wie Nettozinsergebnis oder Provisionsergebnis im Vergleich zum Vorjahr Steigerungen erzielen. Gleichzeitig konnten die Betriebsaufwendungen - auch infolge der eingeleiteten Umstrukturierungsmaßnahmen - gesenkt werden. Unter Berücksichtigung der signifikant gestiegenen Risikovorsorgen wurde im Geschäftsjahr 2009 ein Verlust nach Steuern und Minderheitenanteilen von EUR -1.581 Mio. erzielt. Darin spiegeln sich vor allem die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise wider, die in einem gravierenden Anstieg der Volumina in Verzug zum Ausdruck kommen, sowie insbesondere auch durch die deutlich niedrigeren Wertansätze für die den Finanzierungsverträgen zugrunde liegenden Sicherheiten. Die Bilanzsumme ging aufgrund der Einschränkung des Neugeschäfts, aber auch aufgrund der signifikant gestiegenen Risikovorsorgen um EUR 2,2 Mrd. zurück.

Umstrukturierung und Eigentümerstruktur

Bereits im ersten Halbjahr 2009 hat die Gruppe ein umfassendes Umstrukturierungspaket mit dem Ziel einer Konzentration des Zielmarktgebietes in der Alpen-Adria-Region und einer nachhaltigen Senkung der Kostenbasis beschlossen.

Mit der Übernahme sämtlicher Aktien an der Hypo Alpe-Adria-Bank International AG durch die Republik Österreich im Dezember 2009 wurde diese zu 100 % Eigentümer des Konzerns. Einhergehend wurden die bereits eingeleiteten Umstrukturierungsmaßnahmen intensiviert, mit dem Ziel, mittelfristig das Unternehmen zu einer kapitalmarktfähigen Bank zu entwickeln, die mit einem klaren Geschäftsprofil in ausgewählten Märkten tätig ist.

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung unterzieht die Hypo Group Alpe Adria alle Märkte und Segmente, in denen sie heute tätig ist, einer intensiven Evaluierung. Auf Basis dieser Bewertungen wird sie ihre Tätigkeitsschwerpunkte zukünftig auf Märkte und Bereiche mit nachhaltigen Kompetenzen und Wertsteigerungspotenzial legen.

Ergebnisentwicklung

Die Konzernerfolgsrechnung zeigt deutlich einen gesunden Kern, der im Krisenjahr sogar eine Ertragssteigerung erzielen konnte.

Das Nettozinsergebnis konnte gegenüber dem Vergleichswert der Vorperiode von EUR 702 Mio. auf EUR 869 Mio. deutlich gesteigert werden. Dies entspricht einem Anstieg um EUR 167 Mio. oder 24 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung ist auf das im Vergleich zur Vorjahresvergleichsperiode um rund EUR 1 Mrd. auf EUR 29 Mrd. gestiegene durchschnittliche Volumen an Kundenforderungen, auf die Kapitalmaßnahmen im vierten Quartal 2008 sowie auch auf gestiegene Kundenmargen im Neu- und Bestandsgeschäft zurückzuführen.

Das Provisionsergebnis konnte mit EUR 121 Mio. gegenüber dem Vorjahr ebenfalls verbessert werden (+3 %). Dies ist umso beachtlicher, als in dieser Position auch wesentliche Mehraufwendungen zur Aufrechterhaltung der Liquiditätsreserve enthalten sind. Begründet ist dieser Anstieg insbesondere dadurch, dass die im Zusammenhang mit dem Wertpapier- und Depotgeschäft anfallenden Provisionsaufwendungen deutlich gesunken sind, während die in diesem Bereich erzielbaren Provisionserträge gleichzeitig relativ stabil gehalten werden konnten.

Im Bereich der Risikovorsorgen für das Kreditgeschäft kam es 2009 zu einer mehr als Verdreifachung der Risikokosten von EUR -533 Mio. um EUR 1.139 Mio. auf EUR -1.672 Mio. Diese ist dabei hauptsächlich auf die deutlich restriktivere Risikovorsorgepolitik in Anbetracht des derzeitigen wirtschaftlichen Umfeldes sowie auf hohe Sonderbelastungen aus Einzelengagements zurückzuführen. Im Bankbereich waren von dieser negativen Entwicklung vor allem die Cross-Border-Finanzierungsportfolien, welche von Österreich aus betrieben werden, betroffen. Deutliche Belastungen resultierten ebenfalls aus den Konzern-Leasinggesellschaften, wobei hier insbesondere südosteuropäische Länder wie Kroatien, Bulgarien aber auch die Ukraine hervorzuheben sind.

Eine positive Entwicklung konnte die Hypo Group Alpe Adria im Geschäftsjahr 2009 auf der Kostenseite erzielen. Die Betriebsaufwendungen verringerten sich 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um EUR 44 Mio. oder 8 % auf EUR 542 Mio. So konnte der Personalaufwand von EUR 269 Mio. im Vorjahr auf EUR 263 Mio. gesenkt werden, was einer Verringerung von mehr als 2 % entspricht. Dies ist im Wesentlichen durch die im Vergleich zum Vorjahr geringere Mitarbeiteranzahl im Kerngeschäftsbereich des Konzerns (diese verringerte sich von 7.552 auf 7.195) zurückzuführen.

Das Cost-Income-Ratio lag zum 31. Dezember 2009 bei 65 %. Gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (2008: 91 %) entspricht dies einer Verbesserung um 26 Prozentpunkte, welche in erster Linie auf die deutliche Steigerung des Zins- und Handelsergebnisses zurückzuführen war.

Nach Zuweisung der laufenden Ergebnisanteile an Minderheitsgesellschafter im Konzern ergibt sich ein negatives Konzernjahresergebnis nach Steuern in Höhe von EUR -1.581 Mio. (2008: EUR -520 Mio.).

Damit musste für das Geschäftsjahr erneut - trotz positiver Entwicklung der gesamten Betriebserträge und der Erfolge bei der Begrenzung der Betriebsaufwendungen - ein negatives Konzernergebnis ausgewiesen werden, welches im Wesentlichen durch den drastischen Anstieg der Aufwendungen für Kreditrisikovorsorgen verursacht wurde.

Bilanzentwicklung

Die Bilanzsumme der Hypo Group Alpe Adria verringerte sich gegenüber dem 31.12.2008 von EUR 43,3 Mrd. auf EUR 41,1 Mrd., was einem Rückgang von EUR 2,2 Mrd. oder -5 % entspricht. Diese Reduktion der Bilanzsumme war aktivseitig einerseits durch die Reduktion des Neufinanzierungsgeschäfts sowie den für einige Konzerngesellschaften geltenden allgemeinen Neugeschäftsstopp begründet.

Eigenmittel

Die im Geschäftsjahr 2009 eingetretenen signifikanten Verluste führten im Vergleich zum Vorjahr zu einem deutlichen Absinken der aufsichtsrechtlich relevanten Quoten. Dies konnte auch nicht durch den Forderungsverzicht eines Altaktionärs und die eingeleiteten Maßnahmen zur Reduktion der Risikoaktiva (RWA - Risk-Weighted Assets) kompensiert werden. Durch die Einschränkung des Neugeschäfts, die aktivseitig abzusetzenden Risikovorsorgen sowie die Anstrengungen zur verbesserten Sicherheitenanrechnung und zur Steigerung der Datenqualität konnte die RWA-Basis abgesenkt werden.

Zu einer Steigerung des aufsichtsrechtlichen Kernkapitals der Bank führten die Kapitalmaßnahmen der Altaktionäre der Hypo Group Alpe Adria, welche noch vor dem 31. Dezember 2009 zur Wirkung gelangten. Der Forderungsverzicht der BayernLB sowie die vorgenommene Abschichtung von Ergänzungskapital wirkten dabei in Höhe von insgesamt EUR 885 Mio. positiv auf die Kernkapitalausstattung der Banken-Gruppe. Weiters positiv wirkte die Zuführung von Tier 1-fähigem Partizipationskapital in Höhe von EUR 61 Mio., welches von zwei bisherigen Aktionären zur Verfügung gestellt wurde. Im Gegenzug reduzierte sich das Kernkapital durch den im Jahr 2009 erlittenen Verlust.

Die gesamten anrechenbaren Eigenmittel gemäß österreichischem Bankwesengesetz (BWG) betrugen per 31. Dezember 2009 EUR 3.000 Mio. (2008: EUR 4.173 Mio.), während das gesetzliche Mindesterfordernis bei EUR 2.426 Mio. (2008: EUR 2.797) lag. Dies entspricht einer Überdeckung von EUR 574 Mio. (2008: EUR 1.376 Mio.) bzw. einem Deckungsgrad von 124 % (2008: 149 %).

Die Eigenmittelquote bezogen auf das Bankbuch (Kreditrisiko) erreichte zum 31. Dezember 2009 10,7 % (2008: 12,7 %). Die korrespondierende Kernkapitalquote (Tier 1-Ratio) betrug nach Berücksichtigung von 50 % der Abzugsposten zu Jahresende 2009 7,2 % (31. Dezember 2008: 8,3 %).

Zum 31. Dezember 2009 ergab sich somit eine Eigenmittelquote von 9,9 % (2008: 11,9 %), welche über der in Österreich gesetzlich vorgeschriebenen Mindestquote von 8,0 % lag.

Risikomanagement

Die Hypo Group Alpe Adria hat im Berichtsjahr 2009 ihre Risikocontrolling- und -managementinstrumente weiter ausgebaut. In vielen Bereichen wurden signifikante Fortschritte gemacht. Maßgeblich dafür sind die Anforderungen, welche aus der Eigenkapitalvereinbarung nach Basel II bzw. den neuen MaRisk resultieren. Des Weiteren wurden die Steuerungssysteme der Bank sukzessive an die internationalen Standards herangeführt.
Die Hypo Group Alpe Adria hat ihr Risikomanagement- und -controllingsystem zukunftsorientiert ausgerichtet und kontinuierlich an interne und externe Erfordernisse angepasst. Bei der Weiterentwicklung der angewandten Verfahren zur Risikoabbildung und -steuerung wird darauf geachtet, nicht nur den aufsichtsrechtlichen Anforderungen, sondern auch der strategischen Ausrichtung der Gruppe zu genügen.

Durch die Einführung eines neuen Kreditprozesses wird dem aktuell schwierigen Marktumfeld Rechnung getragen.

Ausblick 2010

Vor einem nach wie vor sehr volatilen wirtschaftlichen Hintergrund wird die Hypo Group Alpe Adria ihr im April 2009 gestartetes Effizienz- und Strukturoptimierungsprojekt, welches eine umfassende Neuorganisation und eine an die aktuellen Rahmenbedingungen angepasste Marktstrategie vorsieht, weiterhin zügig vorantreiben. Insgesamt wird auch das Jahr 2010 ganz im Zeichen der Konsolidierung in jenen Märkten und Geschäftsfeldern stehen, in denen die Hypo Group Alpe Adria tätig ist. Der Schwerpunkt wird zukünftig in Märkten mit gewachsenen Kompetenzen und Wertsteigerungspotenzial liegen, um so einen gesunden Geschäftsmix für die Zukunft sicherzustellen.

Im Rahmen des Beihilfeverfahrens vor der Kommission der Europäischen Union wird die Bank im ersten Halbjahr 2010 einen Umstrukturierungsplan vorlegen, aus dem sich ein Rückzug aus bestimmten Märkten und Geschäftsfeldern ergeben wird. In Abhängigkeit vom Ergebnis dieses Beihilfeverfahren kann sich das heutige Bild der Gruppe maßgeblich verändern.

Durch die für das erste Halbjahr 2010 geplante weitere Kernkapitalzufuhr in Höhe von EUR 600 Mio. ergibt sich aus regulatorischer Sicht eine stabile Basis. Nach den Turbulenzen der letzten Monate sollte sich auch die neue Aktionärsstruktur mit der Republik Österreich als verlässlichem Eigentümer weiter stabilisierend auswirken.

Hinsichtlich des für das Geschäftsjahr 2010 erwarteten Konzernergebnisses kann das Management aufgrund der hohen Unsicherheiten in Bezug auf wesentliche Parameter der Konjunktur- und Währungsentwicklung in den Märkten der Hypo Group Alpe Adria keine verlässliche Prognose abgeben.

Auf Basis der im vergangenen Geschäftsjahr eingeleiteten Umstrukturierungsmaßnahmen, der umfänglichen Bevorsorgung der erkennbaren Risiken im Finanzierungsportfolio sowie des aktuell vorliegenden vertiefenden EU-Umstrukturierungsplans wurde der Grundstein zur nachhaltigen Neuausrichtung und positiven Entwicklung der Hypo Group Alpe Adria gelegt.

Der Konzern-Geschäftsbericht 2009 der Hypo Group Alpe Adria wird ab morgen 18:00 Uhr auf der Konzernhomepage (www.hypo-alpe-adria.com) im Bereich "Investor Relations" veröffentlicht.

Hypo Group Alpe Adria

Die Hypo Group Alpe Adria ist eine internationale Finanzgruppe mit rund 350 Bank- und Leasing-Standorten in 12 Ländern (Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Deutschland, Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und der Ukraine), die auf eine über 110-jährige Geschichte zurückblickt. Die Konzerndachgesellschaft der Hypo Group Alpe Adria ist die Hypo Alpe-Adria-Bank International AG mit Sitz in Klagenfurt (Österreich). Die Republik Österreich (Bund) ist zu 100 % Eigentümer der Hypo Group Alpe Adria. Im Hypo Group Alpe Adria-Netzwerk sind derzeit rund 7.200 Mitarbeiter für über 1,2 Millionen Kunden tätig.

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