"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zweiarmige Banditen des kleinen Glücksspiels" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 31.3.2010

Graz (OTS) - Seit eineinhalb Jahren nudelt die Politik schon an einem neuen Glücksspielgesetz herum. Warum dauert das alles so lange? Angeblich geht es Rot wie Schwarz doch nur um besseren Spielerschutz.

Davon ist bis jetzt nichts zu erahnen. Vielmehr plant die Koalition, den Höchsteinsatz für das "Kleine Glücksspiel" beim Automaten im Wirtshaus um's Eck um 2000 Prozent - von 50 Cent auf 10 Euro zu erhöhen. Ist das nicht eine grandiose Einladung an notorische Spieler, ihre Existenz möglichst rasch zu ruinieren?

Nein, sagt der im Finanzministerium um die Novelle bemühte Staatssekretär Reinhold Lopatka. Denn flankierend werde der Gesetzgeber schon für eine Automaten-Programmierung sorgen, dass Spieler höchstens 15 Prozent ihres Einsatzes verlieren könnten. Bisher seien anfangs zwischen zehn und 20 Prozent und bei längerer Spieldauer noch größere Teile des Einsatzes weg gewesen. Um diese Automaten-Abzockerei als gänzlich vertrauenswürdig zu tarnen, will der Fiskus zudem alle Glücksspielgeräte an sein Bundesrechenzentrum anbinden und elektronisch überwachen.

Was dort geschehen wird, lässt sich auch vorhersagen: Der Staat wird keine Spieler und deren Tragödien online beobachten und notfalls stoppen, sondern nur darauf bedacht sein, beim Zocken möglichst kräftig mitzukassieren.

Bisher ist das "Kleine Glücksspiel" nur in vier Bundesländern - in der Steiermark, in Kärnten, Niederösterreich und Wien - erlaubt. Demnächst wird zumindest Oberösterreich dazustoßen. Dort stehen in Gasthäusern, Tankstellen und Wettbüros bereits 4000 illegale Automaten. Nun will auch Oberösterreich dieses Treiben legalisieren -und besteuern. Wobei die Ankündigung des Landes, die Automatensteuer einzig in die Prävention und Heilung Spielsüchtiger investieren zu wollen, besonders herzig klingt.

Freilich könnte man argumentieren, dass die Oberösterreicher mit ihrem Plan nur eine längst vorhandene Realität einfangen. Ob legal oder illegal - gespielt wird in Österreich auf Teufel komm raus. Pro Jahr werden geschätzte drei Milliarden Euro Spielgeld riskiert.

Diese Riesensumme lässt erahnen, warum das Tauziehen um die Gesetzesnovelle so zäh ist. Im Milliardengeschäft tummeln sich auch die Casinos Austria und im "Kleinen Glücksspiel" die Automatenfirma Novomatic, die ganze Scharen von Lobbyisten ausschwärmen ließen. Dass in Österreich keiner weiß, wie viele Spielsüchtige hier leben, ist auch kein Zufall. Studien wurden gezielt hintertrieben.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001