"DER STANDARD"-Kommentar: "Weg in die Sackgasse" von Verena Kainrath (ET 31.3.2010)

Wien (OTS) - Nichts gegen Teilzeitarbeit: Sie passt vor allem Müttern in ihren Lebensplan und brachte einen Schub an neuen Arbeitsplätzen. Der Preis dafür ist jedoch hoch, denn mit den neuen Jobs kam auch der Missbrauch.

Die Praxis hat mit der Rückkehr ins Berufsleben nach der Babypause oder einer Aufbesserung des Haushaltseinkommens nur mehr wenig zu tun. Vor allem im Einzelhandel, einer Domäne der Frauen, hat Teilzeit System, das weniger den Beschäftigen nützt als den Unternehmen.

Die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten arbeitet mehr als vertraglich vereinbart. Um eine faire finanzielle Abgeltung der Überstunden fallen viele um. Wer nicht jederzeit abrufbar ist, riskiert den Job. Willkür der Vorgesetzten kann zu einem Arbeitspensum von nur zwei Stunden täglich führen. Da es in vielen Branchen fast nur noch Halbtagsstellen gibt, sind zum Überleben mehrere Jobs gleichzeitig notwendig, was Frauen bei Banken aber nicht kreditwürdiger macht. Dass Teilzeitkräfte für gleiche Arbeit auch noch weniger verdienen als Vollzeitkräfte und Karrierrechancen fehlen, darf da nicht überraschen. Und naiv ist, wer heute noch glaubt, Teilzeit sei ein Sprungbrett zu Vollzeitstellen.

Transparenz bei den Einkommen, wie sie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek fordert, schadet nicht. Diese Diskrepanz wäre manchen Arbeitgebern vielleicht doch peinlich. Die wachsende Zahl jener, die unfreiwillig weniger arbeiten, holt das aber auch nicht aus der Sackgasse.

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