WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Banken - Politik muss sich ab jetzt raushalten - von Harald Fercher

Für den US-Steuerzahler könnte sich die Bankenhilfe auszahlen

Wien (OTS) - Erinnern Sie sich noch: Als sich Österreichs Banken vor etwas mehr als einem Jahr beim Staat um teils stattliche Geldhilfen anstellten, wehrten sie sich mit Händen und Füßen gegen jede Form der direkten Kapitalbeteiligung. Sie wollten auf keinen Fall, dass die Politik Einfluss auf ihr Geschäft nimmt. Mit gutem Grund, wie die Ereignisse rund um die Kärntner Hypo zeigen, wo ahnungslose Provinzpolitiker im Verein mit expansionswütigen Managern das Institut gegen die Wand fuhren, um es dann an die Bayerische Landesbank weiterzuverkaufen. Diese - zu 94 Prozent im Besitz des Freistaats Bayern und damit ebenfalls beträchtlichen politischen Einflüssen unterworfen - reichte den angeschlagenen Moloch nach einigen Schreckensmonaten an den österreichischen Staat weiter, der jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen soll.

Erinnern Sie sich auch noch an die zahlreichen Warnrufe, als die USA ihren notleidenden Banken mit Milliardenspritzen aushalfen um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern? Nun denn, heute scheint es so, als ob sich das Eingreifen der US-Regierung für den Steuerzahler sogar noch bezahlt macht. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatten Großbanken wie JP Morgan Chase, Morgan Stanley und Goldman Sachs die Staatshilfen zurückgeführt. Von 245 bereitgestellten Milliarden Dollar waren 185 schon wieder an den Staat zurückgeflossen, wie ein Sprecher des US-Finanzministeriums damals vorrechnete. Und jetzt schickt sich die US-Regierung an, bis Jahresende ihren 27-Prozent-Anteil an der Citigroup wieder zu ver-äußern. Der Schritt könnte sich lohnen, denn das Aktienpaket, für das ursprünglich 25 Milliarden Dollar eingesetzt wurde, ist mittlerweile an die 33,2 Milliarden wert.

Worin der Unterschied besteht: Während sich US-Politiker abseits vom Aufstellen gesetzlicher Regeln tunlichst aus dem Tagesgeschäft der Banken heraushalten, neigen Politiker hierzulande dazu, ihren Einfluss geltend zu machen, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Egal, ob es sich dabei um den einen oder anderen Posten oder um möglichst günstige Kredite für Prestigevorhaben handelt.

Das Beste, was Österreichs Politiker jetzt im Sinne der Steuerzahler tun können, ist, sich bei der Sanierung der Banken rauszuhalten. Ja sogar der Rückzug aus der einen oder anderen Landesbank ist mehr als überlegenswert, denn wie die Turbulenzen bei den deutschen Landesbanken oder der Hypo Alpe Adria zeigen, ist die Politik der denkbar schlechteste Ratgeber.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001